Interviewreihe Open Data 2026: open bydata competence center (oc.bydata)
der byte – Bayerische Agentur für Digitales GmbH im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales
Das Kompetenzzentrum Open Data (CCOD) unterstützt die gesamte Bundesverwaltung bei der Umsetzung von Open Data nach § 12a E-Government-Gesetz (EGovG). Darüber hinaus fungiert das CCOD als Ansprechstelle für entsprechende Open Data Stellen der Länder. Im Bundesland Bayern übernimmt das Team des open bydata competence centers (oc.bydata) der byte – Bayerische Agentur für Digitales GmbH im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales die Beratungs- und Unterstützungsaufgaben rund um Open Data für die bayerische Verwaltung.
Außerdem stellt die byte mit open.bydata eine landesweite Metadatenplattform für offene Verwaltungsdaten aus Bayern bereit. Wir haben mit dem Team unter anderem über den aktuellen Stand von Open Data im Bundesland Bayern sowie geplante Entwicklungen gesprochen.
1. Frage: Wie erlebt Ihr den aktuellen Stand zu Open Data in Bayern?
Wir nehmen in Bayern derzeit eine erfreuliche Dynamik im Bereich Open Data wahr. Neben der stetig wachsenden Zahl veröffentlichter Datensätze treiben besonders engagierte Behörden und deren Mitarbeitende die Entwicklung aktiv voran und beschreiten dabei neue Wege:
Aktuell hervorzuheben ist etwa das Landratsamt Bamberg, das für den Aufbau seiner eigenen Open-Data-Präsenz lk-bamberg.bydata.de Nachwuchskräfte im Zuge eines Auszubildendenprojekts in die Datensammlung und -freigabe einbindet. Dieses Engagement zeigt, wie sich auch junge Mitarbeitende aktiv für offene Verwaltungsdaten einsetzen können.
Ein weiterer Leuchtturm unter den neuen Projekten ist die Stadt Rothenburg ob der Tauber, die seit Anfang 2026 im Rahmen des Bundesprogramms BULE Land.OpenData gefördert wird. Neben der reinen Veröffentlichung von Daten aus der Verwaltung werden touristische Datensätze aus dem sogenannten Social-Knowledge-Graphen (SKG-Graphen) an rothenburg.bydata.de bzw. open.bydata.de angebunden, sodass Daten rund um Sehenswürdigkeiten oder touristische Angebote zentral abrufbar werden.
Diese und weitere Praxisbeispiele zeigen, dass in Bayern eine engagierte Community von Verwaltungseinrichtungen und deren Mitarbeitenden wächst, die Open Data als Chance für digitale Innovation, Transparenz und Teilhabe gestalten.
2. Frage: Welche potentiellen Hürden und Chancen erfahrt ihr in eurem Bundesland aktuell beim Thema offener Verwaltungsdaten?
Hürden und Chancen liegen in Bayern aktuell eng beieinander. Einerseits beobachten wir eine wachsende Bereitschaft, Daten zu teilen und deren gesellschaftlichen Mehrwert sichtbar zu machen. Impulse wie die Umsetzung der EU-Durchführungsverordnung zu hochwertigen Datensätzen (High Value Datasets, HVD) haben das Bewusstsein für offene Daten in vielen Behörden deutlich gestärkt.
Gleichzeitig bestehen Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung. Viele Datenbereitstellende wünschen sich konkretere Handlungsanweisungen für die Umsetzung der Veröffentlichung von High Value Datasets, z. B. bezüglich der Identifikation der betroffenen Datensätze. Hinzu kommt eine zunehmende Verunsicherung im Zusammenhang mit Themen wie Kritischen Infrastrukturen (KRITIS), Informationssicherheit und Resilienz. Hier besteht häufig Unsicherheit darüber, welche Daten veröffentlicht werden können und wo berechtigte Sicherheitsinteressen berücksichtigt werden müssen.
Dem gegenüber stehen zahlreiche Chancen. Offene Daten ermöglichen innovative Anwendungen und neue Formen der Datennutzung, die häufig über die ursprünglichen Zwecke der Datenerhebung hinausgehen. Projekte aus der Zivilgesellschaft zeigen das Interesse und den Bedarf an offenen Verwaltungsdaten. ForestBound, ein didaktisches eGame auf Basis von Geodaten, ist ein schönes Beispiel, wie offene Verwaltungsdaten zur Grundlage neuer digitaler Angebote, Analysen und gesellschaftlicher Mehrwerte werden können.
3. Frage: Wie ist das Fachthema Open Data in Bayern rechtlich und organisatorisch verankert?
Mit Artikel 14 des Bayerischen Digitalgesetzes gibt es eine gesetzliche Regelung, die die staatlichen Behörden zur zielgruppenorientierten und nutzerfreundlichen Aufbereitung öffentlich zugänglicher Daten verpflichtet.
Das Fachthema Open Data ist zudem seit über drei Jahren fester Bestandteil des bayerischen Digitalplans. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales betreibt die byte seit 2023 das zentrale Open Data Portal für den Freistaat Bayern unter open.bydata.de und hat 2024 das open bydata competence center (oc.bydata) etabliert, um sowohl die bayerische Verwaltung bei der Bereitstellung von Open Data zu unterstützen als auch die Nachnutzung offener Verwaltungsdaten aktiv zu fördern.
In den verschiedenen Ministerien, Landesbehörden und Kommunen gibt es darüber hinaus Fachverantwortliche, die sich (u.a.) dem Thema Open Data widmen.
4. Frage: Wie unterstützt ihr bayerische Behörden bei der Umsetzung von Open Data?
Wir unterstützen bayerische Behörden zum einen mit einer umfassenden Beratung zum Thema Dateninventur, Datenerfassung und -bereitstellung, insbesondere auch zur automatisierten Bereitstellung von Daten. Das impliziert neben individuellen Beratungsterminen auch thematische Handreichungen zur Metadatenqualität und HVD-Verordnung. Dieses 1:1 Angebot wird flankiert von verschiedenen Austauschformaten rund um Open Data, wie beispielsweise unser Forum im BayKoNet der BayKommun.
Zum anderen bieten wir mit den eigenen, maßgeschneiderten Open Data Präsenzen ein spezielles Feature, das das Veröffentlichen von Daten für Datenbereitsteller besonders attraktiv und vor allem weniger ressourcenaufwendig gestaltet. Diese können als „Mini-Portale“ individualisiert von Behörden, Kommunen, Ministerien und anderen Institutionen eingerichtet werden und sind nahtlos in die Infrastruktur des zentralen Portals open.bydata integriert. Bayerische Kommunen und Ministerien sowie deren nachgeordnete Behörden oder Institutionen können so eine individuell angepasste Präsenz gestalten, die unter ihrer eigenen URL erreichbar ist.
Außerdem haben wir in Kooperation mit der FITKO das bestehende Metadatenerfassungsformular modernisiert, um Datenbereitstellern die DCAT-AP-konforme Veröffentlichung von Daten zu erleichtern. Das sogenannte DPI (Data Provider Interface) wurde Open Source entwickelt und kann somit auch in anderen Portalen bedingungslos nachgenutzt werden. Dieser Ansatz ist uns wichtig: Entwicklung skalierbarer Lösungen für die Open Data Community nicht nur regional, sondern übergreifend zu denken.
5. Wie ist der Austausch zwischen Datenbereitstellenden und Datennutzenden aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Forschung in eurem Bundesland organisiert?
Der Austausch zwischen Datenbereitstellenden und Datennutzenden ist uns ein zentrales Anliegen. Mit dem Open Data Round Table haben wir hierfür ein eigenes Netzwerkformat etabliert, das wir mit Hilfe von Impulsen aus einem Workshop auf dem Open Data Day München 2024 entwickelt haben. Gemeinsam mit Experten und den verschiedenen Communities diskutieren wir im Round Table einschlägige Fragestellungen zu Themen wie Suchoptimierung, Metadatenqualität und was Nutzer-Projekte mit offenen Daten besonders erfolgreich macht. Das Format fand seit 2024 sowohl digital als auch in Präsenz statt und bringt Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen.
Darüber hinaus engagieren wir uns seit drei Jahren gemeinsam mit der Landeshauptstadt München als Veranstalter des Open Data Day München, der als zentrale Plattform für den Austausch der Open Data -Community in Bayern dient.
Ergänzt wird dies durch unsere aktive Teilnahme an Veranstaltungen, Workshops und Fachforen, um den Dialog zwischen Verwaltung, Forschung, Lehre, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kontinuierlich zu fördern.
6. Frage: Welche weiteren Entwicklungen plant Ihr für die zentrale Datenplattform open.bydata und euer Unterstützungsangebot?
Bei der Weiterentwicklung der Plattform open.bydata widmen wir uns derzeit vor allem der Verbesserung der Nutzbarkeit der offenen Daten. So arbeiten wir gerade an der Integration eines Tools zur vereinfachten und KI-gestützten Erstellung von SPARQL-Abfragen, um insbesondere den Zugang zu verknüpften (RDF-)Daten zu erleichtern.
Auch unser Unterstützungsangebot entwickeln wir kontinuierlich weiter. Aktuell fokussieren wir uns darauf, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen bei der Entwicklung und Anbindung von Schnittstellen zu intensivieren. Ziel ist es, die Bereitstellung offener Daten noch stärker zu automatisieren, Veröffentlichungsprozesse zu vereinfachen und den Aufwand für die Datenbereitstellenden weiter zu reduzieren.
7. Frage: Wenn Ihr Euch etwas wünschen dürftet, wie könnte dem Thema Open Data mehr Relevanz für den Verwaltungsalltag eingeräumt werden?
Wenn wir uns etwas wünschen dürften, sollte Open Data noch stärker als integraler Bestandteil moderner Verwaltungsprozesse verankert werden. Dabei wäre es wichtig, das Prinzip „Open by Default“ konsequent umzusetzen, sodass geeignete Daten bereits bei ihrer Entstehung für eine spätere Veröffentlichung mitgedacht und technisch vorbereitet werden.
Darüber hinaus würden feste Open Data Ansprechpersonen, gezielte Schulungsangebote und technische Lösungen zur weitgehenden Automatisierung von Veröffentlichungsprozessen dazu beitragen, den Aufwand für die Fachbereiche zu reduzieren.
Entscheidend für mehr Relevanz sind jedoch vor allem sichtbare Mehrwerte. Wenn Mitarbeitende erleben, wie offene Verwaltungsdaten für innovative Anwendungen, wissenschaftliche Forschung, gesellschaftliche Projekte oder eben auch zur Effizienzsteigerung im öffentlichen Sektor genutzt werden, wird Open Data nicht mehr als zusätzliche Aufgabe, sondern als Chance wahrgenommen. Unser Wunsch wäre daher, erfolgreiche Anwendungsbeispiele und den konkreten Nutzen offener Daten noch stärker in den Verwaltungsalltag zu bringen.
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Stand 09.10.2026