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Deutsch in Osteuropa: Eine Brücke, die verbindet

Datum 05.06.2018

"Europa ist hier - wo gehst du hin?" lautetet das Thema des slowakisch-ungarischen deutschsprachigen Projektes des Gymnáziums Šrobárova 1 in Kosice, slowakische Republik, und des József-Eötvös-Gymnasiums in Tata, Ungarn zum zehnten Jubiläum der PASCH-Initiative "Schulen: Partner der Zukunft". Am 23. Mai fand es seinen feierlichen Abschluss in Kosice.













Die Analogie, die der pensionierte Ingenieur und Kommunikationsberater Radomír Mlýnek wählte, saß: Vor sechzig Jahren, als er seinen Schulabschluss machte, sei Europa nicht hier gewesen. "Und heute freuten wir uns", so Mlýnek, "auf geplante neue Flugverbindungen nach Deutschland, wodurch Europa noch näher an die ostslowakische Großstadt Kosice und deren Umland heranrücken würde oder auch umgekehrt". Dennoch stelle sich für ihn immer noch die Frage: Wo geht man hin?

Damit spielte der 77-jährige Berater des Internationalen Flughafens Kosice bewusst auf die zentrale Fragestellung des Projektes der beiden von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderten Sprachdiplomschulen Gymnáziums Šrobárova 1 in Kosice und József-Eötvös-Gymnasium in Tata an.

Schülerinnen und Schüler beider Schulen haben sich dabei in den vergangenen Monaten im von der ZfA betreuten Unterricht zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz mit Fragen der Arbeitsmigration innerhalb der Europäischen Union und den Bleibeperspektiven in den Herkunftsländern beschäftigt. Perspektiven, die durchaus vorhanden sind, wie auch die Auswahl der Projektpartner demonstriert: Der Flughafen Kosice selbst ist mehrheitlich im Besitz einer österreichischen Holding. Aber auch die slowakische Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, T-Systems Slovakia, hat sich früh für den ostslowakischen Standort entschieden.

Sprachen öffnen Türen

Mit der Präsenz von Firmen aus dem deutschsprachigen Ausland steigt auch die Nachfrage nach Deutsch, wie die Personalentwicklungsmanagerin Miriam Gurská, betont: "In vielen Abteilungen von T-Systems Slovakia ist Deutsch ein Muss. Ich kann selbst bestätigen, dass Sprachen Türen öffnen." Gurská lebte zehn Jahre in Großbritannien, bevor sie in die Slowakei zurückkehrte. Ihr Beispiel zeigt, dass Migration nicht zwangsläufig einen Abschied für immer bedeutet. "Aber man gewinnt an Selbstbewusstsein und knüpft kulturelle Kontakte", erklärt die Ausbilderin, die seit kurzem auch Praktikanten vom Gymnázium Šrobárova betreut. Ein wichtiges Feld, denn die Arbeitsmigration ging ähnlich wie in Ungarn auch in der Slowakei nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbei, so dass heute in vielen Bereichen von einem Arbeitskräftemangel gesprochen wird.

Deutsch gewinnt an Bedeutung

Auch die akademischen Partner des Projekts bestätigten die Bedeutung der deutschen Sprache. Dr. Ph. Janka Pavlovová von der Technischen Universität Kosice, sprach davon, dass Deutsch als zweite Fremdsprache an Bedeutung gewinnen würde und unterstrich die Wichtigkeit solcher Aktivitäten. Dr. rer. pol. Michaela Kovačová von der Pavol-Jozef-Šafárik-Universität lobte den Praxisbezug des Projekts und die Einbeziehung außerschulischer Lernorte, so dass "letztendlich alle von diesem Projekt profitieren konnten".

Einer dieser außerschulischen Lernorte war mit der karpatendeutschen Minderheit verbunden. Wie Dr. Ph. Anna Thuroczy vom Karpatendeutschen Verein betonte, freue es sie immer wieder, wenn "junge Leute zu uns kommen".

"Es war für uns eine Überraschung, dass es so viele Mantaken (Karpatendeutsche in der Ostslowakei) im Kreise der Projektpartner gibt", ergänzte Projektleiter Michael Oberhaus, Fachschaftsberater für die ZfA in Kosice. Nach seinen Erfahrungen bedeutet die Kenntnis des Mantakischen eine Erleichterung beim Erlernen der deutschen Standardsprache. Durch das allmähliche Verschwinden dieser deutschen Mundart aus dem Alltag, ginge die Sprache zwar verloren, aber das Herkunftserbe würde bleiben.

Abschied vom Althergebrachten und die Öffnung für das Neue - das ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Facetten des Projekts gewesen, dessen Ergebnisse in einem Projektbuch zusammengefasst und während der Veranstaltung auch szenisch dargestellt wurden. Dass dies keine einfache Aufgabe ist, zeigen die Schülerantworten auf die Frage: Europa ist hier - wo gehst du hin? Diese reichten von den Aspekten familiärer und sonstiger sozialer Bindungen über den Reiz, neue Erfahrungen und Inspirationen im Ausland zu sammeln, bis hin zur Kenntnis um die Gefahren des Brain-Drains für das eigene Heimatland.

Freiheiten, die Europa bietet

"Den Willen zu bleiben, habe ich deutlich herausgehört", lautete das Fazit des Leiters der Presse- und Kulturabteilung der Deutschen Botschaft Bratislava, Marian Gordzielik. "Ein gutes Zeichen", ergänzte der Diplomat, der die Schüler aber bat, "nicht nur zu Hause zu bleiben". In Bezug auf die Projektarbeit betonte der Kulturattaché, dass die deutsche Sprache eine Brücke darstelle, um miteinander in Kontakt, ins Gespräch zu kommen. So würden Sprachkenntnisse und das Miteinander in Europa keine abstrakten Kategorien bleiben. "Leben Sie die Freiheiten, die Europa bietet", gab er den Jugendlichen mit auf den Weg. Freiheiten, von denen Radomír Mlýnek vor sechzig Jahren nur träumen konnte.

Mehr über Deutsch in der Slowakei und ein Interview mit Marian Gordzielik finden Sie in der BEGEGNUNG 1/2018 (ab Seite 40).

Quelle: Richard Guth, Landesprogrammlehrkraft

Die Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) vernetzt weltweit mehr als 1.800 Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat. PASCH ist eine Initiative des Auswärtigen Amtes in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), dem Goethe-Institut (GI), dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz (PAD). Durch PASCH sollen lebendige, langfristige Bindungen zu Deutschland aufgebaut werden. Ziel ist eine internationale weltumspannende Lerngemeinschaft, die Schulen, ihre Lehrkräfte und ihre Schülerinnen und Schüler anregt, sich untereinander auszutauschen und in deutscher Sprache zusammenzuarbeiten (siehe auch www.pasch-net.de).