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PASCH-Projekt Chiemsee - Baikalsee

Datum 05.03.2018

Die Walther-Mohr-Realschule in der bayrischen Stadt Traunreut pflegt mit dem Irkutsker Lyzeum Nr. 3 in Ostsibirien seit fünf Jahren eine Schulpartnerschaft, die sich alle zwei Jahre einen berufsorientierenden Schwerpunkt als Projektthema vornimmt. Am Beispiel des Chiemsees und des Baikalsees wurden in diesem Schuljahr Berufsfelder zum Thema "Ökologie" in den Blick genommen. Anfang des Jahres war die bayrische Schülergruppe in Sibirien zu Gast.













Ziel der gemeinschaftlichen Erarbeitung dieses Projektthemas ist, dass die deutschen und russischen Schülerinnen und Schüler verschiedene, oftmals wenig bekannte Berufe zum Thema Umwelt kennenlernen. Auf diese Weise werden ihnen vielfältige berufliche Perspektiven mit Zukunft nähergebracht.

Der Schüleraustausch mit seinem dicht gepackten Programm hat es in sich und damit seinen ganz besonderen Reiz: Jenseits viel betretener touristischer Pfade schafft sich das deutsch-russische Schüler- und Lehrer-Team mit seinem PASCH-Projekt "Chiemsee - Baikalsee" ganz eigene Wege. Nachdem im Dezember die russischen Schülerinnen und Schüler in Traunreut zu Gast waren, folgte im Januar der Gegenbesuch. Zusammen mit der Schulleiterin Cornelia Linnhoff und den Lehrkräften Lena Fach und Pedro May reiste das 14-köpfige Schüler-/Lehrerteam der Realschule Traunreut vom 23. Januar bis zum 2. Februar in den sibirischen Winter nach Irkutsk. Hier wurden sie von der russischen Deutschlehrerin und Organisatorin des Projekts Olga Bucharowa und der Englischlehrerin Elena Levitskaja, sowie den russischen Gastfamilien begrüßt und herzlich aufgenommen.

"Für viele Schüler der Realschule Traunreut ist Russland die Heimat ihrer Vorfahren. Obwohl einige der Jugendlichen noch nie zuvor in Russland waren, sprechen sie zu Hause in Bayern Russisch. Es war also auch eine Reise zu den eigenen Wurzeln", so Schulleiterin Linnhoff.

Umwelt und Beruf im Fokus

Vor drei Jahren war das PASCH-Team mit dem Projekt "Taiga Gold" schon einmal vor Ort und hatte sich mit dem Thema "Forst und Holzverarbeitung" beschäftigt. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf weiteren umwelt- beziehungsweise berufsbezogenen Themen. Die Schülerinnen und Schüler besuchten die Berufsfachschule für Flugzeugbau, den Irkutsker Flugzeugbetrieb sowie den Internationalen Flughafen. Ein Ausflug in die Vorstadt Khomutovo führte sie in die Werkhalle eines fischverarbeitenden Betriebes. Bei der Besichtigung des Irkutsker Wasserkraftwerkes GES erfuhren die Gäste, welche immense Energie es liefert.

Mit auf dem umfangreichen zwölftägigen Programm standen ebenfalls kulturelle Sehenswürdigkeiten der Stadt Irkutsk und das Openair-Museumsdorf Talzi. Natürlich durfte auch ein Besuch des Limnologischen Instituts mit dem Baikalmuseum sowie der eines "Nerpinariums" nicht fehlen. Die deutschen Schülerinnen und Schüler waren begeistert von den dicklichen kleinen "Nerpas", eine endemische Robbenart im Baikalsee.

Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind Basis für Freundschaften

Höhepunkt war die Fahrt zur Insel Olchon, die größte Insel im 650 Kilometer langen und 82 Kilometer breiten Baikalsee, dem mit 1.642 Metern tiefsten und ältesten See der Erde. Die Anreise war spektakulär. Von Irkutsk aus ging es zunächst etwa fünf Stunden lang auf Schnee bedeckten Pisten durch die unendliche Taiga, dann mit Luftkissenbooten über den zugefrorenen Baikalsee auf die Insel Olchon. Temperaturen um die minus 40 Grad ließen den Atem stocken.

"Auch wenn die extreme Kälte die Menschen außerhalb beheizter Räume zu Wortkargheit zwingt, so lässt sich bei einer persönlichen Einladung zu Hause schnell die warme Seele der Menschen in Russland erleben. Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind die Basis für Freundschaften, die lange Zeit über die persönlichen Begegnungen hinaus halten werden. Deshalb legen wir so großen Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler bei Gastfamilien übernachten", erzählt Lena Fach. Mehr Völkerverständigung lässt sich über die Distanz von 7.510 Kilometer zwischen Irkutsk und Traunreut kaum realisieren. "Die Tränen beim Abschied sagen mehr als 1.000 Worte", fügt die deutsche Lehrerin hinzu.

Anwendung der deutschen Sprachkenntnisse

Neben jeder Menge Spaß und dem persönlichen Erleben der kulturellen Vielfalt stand die Berufsorientierung im Zentrum des PASCH-Projektes. Der 15-jährige Traunreuter Realschüler Lorenz Huber bringt es auf den Punkt: "Durch das Projekt habe ich neue berufliche Perspektiven mit Zukunft kennengelernt. Ich kann mir nun gut vorstellen, einen technischen Beruf im Klimaschutzbereich zu erlernen."

Für die russischen Schülerinnen und Schüler der achten Klasse mit erweitertem Deutschunterricht war es aber auch eine perfekte Möglichkeit, ihre deutschen Sprachkenntnisse anzuwenden. Sie werden im Lyzeum Nr. 3 das DSD I und später DSD II ablegen und können durch diese projektbezogene Austauscharbeit ihre Sprachkenntnisse nun auch sogar ansatzweise "fachspezifisch" vertiefen.

Dass die projektorientierte Begegnung zwischen den beiden Schulen im nächsten Jahr weitergeführt wird, ist für das gesamte Team so glasklar wie das Wasser der "Perle Sibiriens". Für die Umwelt gibt es noch viel zu tun und Ideen für ein neues Thema haben die Traunreuter und Irkutsker bereits jetzt!

Auf Youtube finden Sie ein Kurz-Video und eine Video-Dokumentation des Projekts Chiemsee - Baikalsee, beides gedreht von Pedro May.

Quelle: Sonja Dehning, Fachschaftsberaterin in Irkutsk und Pedro May, PASCH-Projektleiter Walter-Mohr-Realschule Traunreut

Seit 2013 pflegen das Lyzeum Nr. 3 in Irkutsk und die Walter-Mohr-Realschule Traunreut eine sehr enge Schulpartnerschaft. Angefangen hat diese mit einer flüchtigen Begegnung während des Unterrichts in der Transsibirischen Eisenbahn auf der Strecke Peking-Mongolei-Irkutsk. Zusammen mit chinesischen Partnerschülern wurde der Zug als Klassenzimmer genutzt. Für das damalige "ClimateExplorer" PASCH-Projekt stellte ein Seminar am größten offenen Trinkwasserspeicher, dem Baikalsee, den Höhepunkt der Reise dar. Währenddessen lernten sich die beiden Schulen aus Irkutsk und Traunreut kennen. Für Unterstützung bedanken möchten sich die beiden Schulen bei dem Bayerischen Jugendring, der Stadt Traunreut, der Bayerischen Staatsregierung, Spreadfilms Traunstein, dem Lions Club Übersee-Forum am Chiemsee - Cyber, der Nationalen Klimaschutzinitiative und der Stadtverwaltung Irkutsk.