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Unvergessliche Erfahrungen - drei Jahre als Lehrer in Bangkok

Datum 05.09.2014

Thomas Smolarczyk hat drei Jahre als Auslandsdienstlehrkraft Mathe und Physik an der RIS Swiss Section - Deutschsprachige Schule Bangkok unterrichtet.

Der Zeitpunkt schien ideal. Meine Eltern noch rüstig, die Söhne erwachsen und unser Töchterchen (5) noch in einem Alter, in dem sich Kinder noch problemlos "verpflanzen" lassen. Würde ich als Wandervogel nach meinen Jahren in Tansania (GIZ) und Indien (ZfA) nochmals die Gelegenheit bekommen, meinen Beruf in der Ferne ausüben zu können? Als die ZfA mir die Stelle des M/Ph-Lehrers in Bangkok anbot, musste nur noch eine Hürde überwunden werden. Es kostete ein gerüttelt Maß an Energie und Ausdauer, bis ich meine Frau vom "Abenteuer Thailand" überzeugt hatte. Unsere Aufregung und Vorfreude waren dann aber umso größer!

Die RIS Swiss Section - Deutschsprachige Schule Bangkok ist die einzige deutschsprachige Schule in Bangkok und gehört mit ca. 250 SchülerInnen zu den kleineren Auslandsschulen. Sie wird von Deutschland sowohl monetär als auch personell unterstützt und stellt eine Mischung aus schweizerischem und deutschem Schulsystem dar. Die 6-jährige Grundschule orientiert sich vorwiegend an den schweizerischen Vorgaben, die Mittelstufe bis Klasse 10 läuft auf die deutschen Abschlüsse hinaus und in zwei weiteren Schuljahren erlangen die SchülerInnen die schweizerische Matura. Das Schulgebäude liegt am Rande der 12-Millionen-Metropole im Grünen. Mit Ausnahme von zwei bis drei "Wintermonaten" herrscht dort ein Klima mit Dampfbadqualität und das kann ganz schön anstrengend sein.

Wir bezogen ein Haus in einem Wohngebiet direkt neben der Schule und genossen es, jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule radeln zu können und damit der chronischen Verstopfung von Bangkoks Straßen aus dem Weg zu gehen.

Unterrichtsalltag mit DaF und DFU

Thomas Smolarczyk mit seiner letzten Klasse 8 im KlassenzimmerQuelle: Thomas Smolarczyk

Auf den ersten Blick sah der Unterrichtsalltag für mich als gestandenen deutschen Lehrer vielversprechend aus: Unterricht in Klassen mit maximal 15 SchülerInnen, Disziplinprobleme vernachlässigbar, das hörte sich nach paradiesischen Unterrichtsbedingungen an, oder? Weit gefehlt, denn in den Klassen saßen vom Schüler mit sonderpädagogischem Bedarf bis zum blitzgescheiten Gymnasiasten grundverschiedene Lerntypen und mein Unterricht wurde zum Spagat zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Ansprüchen. Erschwerend kam hinzu, dass viele SchülerInnen aus thai/deutsch-sprachigen Elternhäusern stammten, was sich negativ auf deren Sprachniveau und damit auf alle Fächer massiv auswirkte. Die Schule versucht, mit Maßnahmen wie DaF-Stunden (Deutsch als Fremdsprache) und Fortbildungen der LehrerInnen zum Beispiel in DFU (Deutschsprachiger Fachunterricht) gegenzusteuern, was ein sehr mühsamer Prozess ist. Ich war heilfroh, dass in meinen Fächern M/Ph das sprachliche Vermögen meiner SchülerInnen nicht an erster Stelle stand.

Weiter gilt es an einer Privatschule noch zu bedenken: Die Eltern, die viel Schulgeld bezahlen müssen, fordern mit Nachdruck die maximal mögliche Förderung ihrer Kinder, was in manchen Fällen zwangsläufig zur Überforderung der Schüler und damit zu Konflikten zwischen Elternhaus und Schule führt. Auch die hohe Fluktuation bei SchülerInnen und LehrerInnen fordert ihren Tribut. Das ist zwar spannend, aber es gilt, sich in kurzer Zeit ständig auf neue Menschen einzustellen; und das erfordert viel Flexibilität.

Neuland E-Learning

Auch E-Learning war Neuland für mich: Aus den unterschiedlichsten Gründen (Hochwasser, Bürgerkrieg Rothemden gegen Gelbhemden, Brand einer Müllkippe, Krankheiten) musste die Schule teilweise wochenlang geschlossen werden. Das bedeutete sicherlich keine zusätzlichen Ferien! Das Arbeitsmaterial musste zusammengestellt und auf elektronischem Weg an die SchülerInnen verschickt werden, um daraufhin die Rückmeldungen einzeln zu korrigieren oder wenigstens zu kommentieren. Die Unterrichtsqualität blieb dabei zwangsläufig auf der Strecke, Unterricht "live" ist entschieden besser. Trotz allem kann ich sagen, dass mein Unterricht an der Schweizer Schule verglichen mit dem in Deutschland wesentlich ruhiger und reibungsfreier ablief. In manchen Stunden konnte ich die Anzahl der SchülerInnen an einer Hand abzählen!

Nicht nur im Kerngeschäft Unterricht wird von einer Auslandsdienstlehrkraft außerunterrichtliches Engagement erwartet. So war ich Klassenlehrer, Fachvorsitzender in Physik, Vertrauenslehrer, habe Praktikanten betreut, den Lehrplan in Physik überarbeitet, Schülermannschaften in Fußball und Leichtathletik trainiert und in meinem zweiten Schuljahr „ganz nebenbei“ die 50-Jahr-Feierlichkeiten der Schule mit diversen Veranstaltungen organisiert. Gewöhnungsbedürftig waren für mich auch die in Englisch abgehaltenen Lehrerkonferenzen. Es war nicht nur für mich schwierig, in einer Fremdsprache eine tiefergehende Diskussion zu führen.

Herausforderungen und unvergessliche Erfahrungen

Thomas Smolarczyk mit seiner Abschlussklasse 10 auf einer Ausflugsfahrt ans Meer Quelle: Thomas Smolarczyk

Drei Jahre Thailand bestanden jedoch nicht nur aus Arbeit. Die Herausforderung, uns auf ein Land mit völlig anderer Kultur einzulassen, Thailand mit seinen Sehenswürdigkeiten und freundlichen Menschen intensiv kennenzulernen, Südostasien zu bereisen und vieles mehr… das waren für meine Familie und mich unvergessliche Erfahrungen, die unsere Leben prägten und die wir niemals missen wollen.

Warum wir nur die relativ kurze Zeit von drei Jahren in Thailand blieben? Leider hat sich während unserer Zeit in Bangkok der Gesundheitszustand meines Vaters dramatisch verschlechtert und es wurde schnell klar, dass wir zuhause dringend gebraucht werden.

Thomas Smolarczyk