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Einmal Sofia und zurück

Datum 10.01.2014

Stephanie Ganz ist Gymnasiallehrerin für Deutsch, Geographie und Philosophie/Ethik. Seit 2011 unterrichtet sie als BPLK am Galabov-Gymnasium in Sofia, Bulgarien.

"Waaas – du willst auf den Balkan?!", war die erste Frage meiner Familie und Freunde, als ich verkündete, dass ich eine Stelle in Bulgarien antreten werde. Meiner Meinung nach hat jede Kultur ihre Besonderheiten und die gilt es doch kennenzulernen. Bulgarien gehört schließlich zu Europa und so dürften sich auch viele Gemeinsamkeiten finden lassen. Immerhin hörte man im Schulunterricht des Öfteren, dass dort die alten Thraker lebten und diese Region die Wiege unserer Kultur sei.

So kaufte ich fest entschlossen zu Beginn der Bayerischen Sommerferien 2011 einen Ford Transit von einem Schrotthändler ab. Nach zwei Tagen intensiver Reinigung stand der Wagen einigermaßen ansehnlich da. "Einmal Sofia hin und zurück müsste er doch schaffen", lautete mein Stoßgebet und es wurde erhört.

Stephanie Ganz (ganz rechts) mit ihren Schülerinnen und Schülern Stephanie Ganz BPLK GalabovQuelle: Stephanie Ganz

Meine neue Schule, das ist das 91. Deutschsprachige Prof. Konstantin Galabov-Gymnasium, Spezialgymnasium mit ca. 1200 Schülern, die im Schichtsystem unterrichtet werden, weil das Schulgebäude sehr klein ist. Jährlich gibt es sieben Eingangsklassen, die im ersten Jahr mit 22 Wochenstunden Deutsch von 0 auf 100 gebracht werden. Am Ende der 8. Klasse gibt es einen Aufnahmetest für die Deutsche Abteilung, in die die 50 besten Schüler aufgenommen werden. Diese zwei Klassen werden in allen Fächern von Muttersprachlern unterrichtet und können ein ganz normales deutsches Abitur ablegen. Alle anderen Schüler machen in der 12. Klasse ein bulgarisches Abitur, für sie besteht zusätzlich die Möglichkeit ein DSD-Diplom auf dem Niveau C1 abzulegen.

Unterricht mit Händen und Füßen

Im ersten Jahr startete ich mit zwei Leistungsklassen der Jahrgangsstufe 10 und zwei elften DSD-Klassen, in drei achten Klassen gab ich je zwei Stunden Ausspracheunterricht. Dabei waren die achten Klassen eine echte Herausforderung, denn die Schüler konnten kein Wort Deutsch und ich kein Wort Bulgarisch. So unterrichtete ich zunächst mit Händen und Füßen und beschränkte mich auf einfache Sätze wie: "Das ist Georgi. Das ist Mila. Wer ist das?" Diese mussten die Jugendlichen aufgreifen und fortführen. Ob es nun der Klang der deutschen Sätze – mit diesen sonderbaren langen Vokalen – war oder meine ernsten, mitunter humoristisch anmutenden Versuche, die Sache gut zu machen, weiß ich nicht, jedenfalls arbeiteten die Schüler mit und es machte ihnen sichtlich Spaß.

Die Schülerinnen und Schüler lernten sehr schnell Deutsch und nach Weihnachten konnte man mit ihnen bereits die ersten freien Konversationen führen. Mit gruppendynamischen Übungen, die von Schülern gerne mit dem Wort "Spiel" bezeichnet werden, kann man sie problemlos motivieren. Schiffe versenken, Minister oder Ich sehe was, was du nicht siehst – zu allen Spielen wollten sie eine Spielanleitung schreiben, solange sie es nur spielen dürfen.

Kloster Rila Stephanie Ganz BPLK GalabovQuelle: Stephanie Ganz

Bevor man an diese Schule kommt, hört man das Gerücht, das besagt, dass diese Schüler etwas Besonderes seien. Nach zweieinhalb Jahren kann ich sagen: "Ja, das Gerücht stimmt!" Denn ich habe noch nie so hoch motivierte Schüler unterrichtet. Hausaufgaben sind stets gemacht, nach weiteren Übungsmöglichkeiten wird seitens der Schüler immer gefragt. Zu besonderen Veranstaltungen in der Deutschen Botschaft, im Goethe-Institut oder auch im Ausland überwerfen sich die Schüler mit ihren Leistungen, denn jeder möchte zeigen, was er kann und vorne mit dabei sein. Viele Schüler haben bereits in der 8. Klasse klare Berufsvorstellungen und arbeiten darauf auch hin. Dies wirkt sich sehr motivierend auf alle Lehrkräfte aus.

Bulgarien - Klein aber fein

Bulgarien ist schon ein bisschen anders, aber darin liegt auch der Charme. Arm und Reich prallen hier aufeinander, das Land wirkt dünn besiedelt. 15 Mio. Einwohner zählte Bulgarien noch vor einigen Jahren, heute ist das Gebiet so groß wie Bayern und Baden-Württemberg von nur noch 7 Millionen Menschen bewohnt.

Bulgarien ist ein kleines Land, hat aber landschaftlich viel zu bieten. Das Vitoscha-Gebirge liegt in Sofia vor der Haustür, Wandern im Sommer oder Skifahren im Winter sind jederzeit möglich. Wer mit den Weltmeistern fahren möchte, kann nach Bansko fahren. Im Rilagebirge findet sich das Rila-Kloster, während es dort oft heftig regnet, bleiben Gebiete darum herum meist regenfrei. So bilden sich durch besondere Regenverhältnisse Erdpyramiden, ähnlich wie in Ritten, Südtirol. Aber auch in Maljovitza oder an den sieben Seen lässt es sich gut wandern. Neben Sofia gibt es auch in vielen anderen bulgarischen Städten viele Überreste der Römer, wie z.B. das Amphitheater in Plovdiv.

Da die Unterrichtsbelastung hoch ist, muss man Ausflüge langfristig planen. So hoffe ich, dass ich den freigelegten Tempel von Ephesos noch besichtigen kann und auch einmal nach Griechenland und Mazedonien komme.

Stephanie Ganz