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"Kapstadt?! Aber ich wollte doch eigentlich nach Lateinamerika!"

Datum 29.08.2014

Ramona Bachmann unterrichtet seit 2013 als Bundesprogrammlehrkraft an der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt (DSK).

Nach bereits fast drei Jahren Auslandsaufenthalt in Großbritannien und Australien während des Studiums sowie zwischen Universität und Referendariat war ich mir sicher, dass ich auch danach gerne wieder ins Ausland gehen würde. Deshalb ließ ich mich noch während meines Vorbereitungsdienstes bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Köln registrieren. Da ich bereits längere Zeit im englischsprachigen Ausland gelebt hatte, war es mein großer Wunsch, nach Lateinamerika zu gehen, um dort auch Spanisch zu lernen.

Ohne weiteres Zutun wurde ich schließlich von drei Schulleitern Deutscher Auslandsschulen kontaktiert Und siehe da, zwei davon waren sogar in Lateinamerika! Nur Kapstadt lag dann doch wo ganz anders.

Deutsche Internationale Schule KapstadtQuelle: Deutsche Internationale Schule Kapstadt

Nach dem ersten Bewerbungsgespräch entschied ich mich dann doch gegen das erste Angebot aus Lateinamerika. Das Interview mit Kapstadt verlief hingegen vielversprechend, aber trotz Reisefieber hatte Afrika eigentlich noch nie wirklich mein Interesse geweckt. Außerdem war ich mir fast sicher, dass es sich bei Kapstadt nur um ein Sydney eines anderen Kontinents handelte, und Sydney kannte ich ja schließlich gut genug. Deshalb fieberte ich dem Bewerbungsgespräch mit dem Schulleiter in Chile entgegen, als das Unerwartete passierte: eine Zusage aus Kapstadt. Was nun?

Völlig mit der Situation überfordert und in Zugzwang rief ich schließlich den Schulleiter in Chile an, um ihm von meiner Zusage aus Kapstadt zu berichten und mich zu erkundigen, gegen wie viele Bewerber ich mich denn um die Stelle in Chile behaupten müsse. Ich bekam daraufhin den besten Ratschlag meines Lebens: "Kapstadt, sind Sie verrückt?! Sie können doch Kapstadt nicht ausschlagen." Und der äußerst sympathische Mann am anderen Ende des Hörers hatte Recht, so dass mir heute meine damalige Naivität dann doch peinlich ist.

Ankunft

Mit lediglich einem Reiserucksack machte ich mich dann ein halbes Jahr später, im Januar 2013, auf den Weg nach Kapstadt. Was nicht in den Rucksack passte, schickte ich in zwei ca. 30 Kilogramm schweren Kisten per Seefracht an die Schule vor Ort. Um die Unterkunft in den ersten paar Wochen musste ich mir keine Sorgen machen, denn eine äußerst nette Kollegin hatte mir bereits während des einwöchigen Vorbereitungslehrgangs in Köln angeboten, vorübergehend bei ihr unterzukommen. Sie war samt Ehemann, drei Kindern sowie einem ganzen Container voller Möbel nach Kapstadt gezogen und hatte sich deshalb schon Monate vorher um eine Unterkunft gekümmert. Die gleiche Kollegin holte mich schließlich auch am Flughafen ab, so dass ich der Ankunft in Kapstadt sorgenfrei entgegen sehen konnte.

Innerhalb von kurzer Zeit fand ich dank Gumtree.co.za dann auch schon ein Auto und ein WG-Zimmer. Ich wusste, dass ich in der Schule überwiegend Deutsch sprechen und von Deutschen umgeben sein würde, deshalb war es mir wichtig, südafrikanische Mitbewohner zu finden. Man möchte ja schließlich auch kulturell etwas anderes erleben (Gar nicht so einfach in einer Stadt mit ca. 60 000 deutschen Auswanderern!). Aber ich hatte Glück, und ein netter Mann aus Durban, der mit Deutschen gute Erfahrungen gemacht hatte, bot mir ein Zimmer an.

Einsatzort Kapstadt

Chapman`s Peak DriveQuelle: Ramona Bachmann

Bei Kapstadt handelt es sich um eine äußerst interessante Stadt. Die Menschen sind freundlich und es gibt ein hohes Freizeit- und Sportangebot sowie zahlreiche Reisemöglichkeiten. Der Tafelberg und der atlantische Ozean in Kombination sorgen für eine unvergleichlich schöne Landschaft.

Neben den afrikanischen Kulturen findet man in Kapstadt viele europäische Nationalitäten. Diese verschiedenen Einflüsse machen Kapstadt zu einem ganz besonderen Einsatzort. Leider ist es jedoch so, dass die verschiedenen Kulturen sich nur teilweise vermischen und eher nebeneinander her leben.

Die Armut unter der einheimischen Bevölkerung ist enorm. Das Ausmaß ist jedoch erst wirklich erkennbar, wenn man die Innenstadt verlässt und sich mit den Lebensbedingungen der Menschen am Stadtrand und auf dem Lande vertraut macht. Dennoch sind die Lebensbedingungen und Gehälter hier besser als in anderen afrikanischen Ländern, so dass man in Kapstadt viele Gastarbeiter aus Malawi und Simbabwe findet.

Die Kriminalität ist höher als in Deutschland, hält sich in der Innenstadt jedoch in Grenzen, wenn man sich an bestimmte Verhaltensregeln hält, so dass das alltägliche Leben nur begrenzt davon beeinflusst wird und ich mich hier trotz der ein oder anderen Erfahrung (Handtaschenraub, eingeschlagene Autoscheibe) durchaus sicher fühle.

Schule allgemein

Die Schule liegt am Berg im Stadtteil Tamboerskloof, so dass man von dort einen tollen Blick auf die Stadt sowie den Tafelberg hat.

Die Rahmenbedingungen für den Unterricht sind sehr gut. Ein neues Lehrerzimmer bietet genügend Arbeitsplätze zur Unterrichtsvorbereitung und zum Korrigieren. Darüber hinaus einen Bereich, der für den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen und für die Mahlzeiten gedacht ist. Die Klassenzimmer sind hell und geräumig und verfügen alle über Smartboards, anhand derer der Unterricht interessant gestaltet werden kann. Auch Internetverbindung ist im gesamten Gebäude vorhanden. In naher Zukunft wird es sogar eine WIFI-Verbindung geben.

Die DSK hat dieses Schuljahr (2014) 802 Schülerinnen und Schüler, die entweder den deutschsprachigen oder den englischsprachigen Zweig besuchen. Im deutschsprachigen Zweig werden abgesehen von den Fremdsprachen alle Fächer auf Deutsch unterrichtet. Im englischsprachigen Zweig gibt es deutschen Fachunterricht wie beispielsweise in Biologie. Von besonders hoher Bedeutung im NSC-Zweig ist das Fach Deutsch als Fremdsprache und es wird angestrebt, dass alle Schülerinnen und Schüler dieses Zweiges das Deutsche Sprachdiplom ablegen. Schüler aus beiden Zweigen besuchen in gemischten Kursen gemeinsam den Englischunterricht, so dass er für alle auf muttersprachlichem Niveau stattfindet.

Whitewater Rafting am Orange RiverQuelle: Ramona Bachmann

Die meisten Schülerinnen und Schüler sind freundlich und umgänglich, so dass Disziplinprobleme eher selten auftreten. Darüber hinaus sind die Klassen recht klein, so dass den einzelnen Lernern sowohl in unterrichtlicher als auch persönlicher Hinsicht viel Aufmerksamkeit gewidmet werden kann.

Das Arbeitsklima ist auch deshalb angenehm, da alle Kollegen nett und hilfsbereit sind. Auch zwischen Ortslehrkräften und aus Deutschland vermittelten Lehrern existieren keinerlei Spannungen. Es gibt außerdem ein Paten- und Mentorensystem, welches gut dazu geeignet ist, Ankömmlingen aus Deutschland das Einleben und die Einarbeitung zu erleichtern. Darüber hinaus kümmert sich eine gut besetzte IT-Abteilung um den reibungslosen technischen Ablauf.

Zur Verpflegung gibt es einen Tuck-Shop (Kiosk) sowie eine Cafeteria. In der Cafeteria gibt es vier Mal wöchentlich ein wirklich köstliches warmes Mittagessen für Lehrer und Schüler.

Aufgabenbereiche und Schulalltag

Ich unterrichte die Fächer Geschichte und DaF und habe die Fachleitung Geschichte sowie die Koordination des Drachenbootteams übernommen.

Die Arbeit als Fachleitung hat sich für mich als besonders interessant erwiesen, da ab 2014 das Regionalabitur an den Schulen des südlichen Afrikas (Kapstadt, Pretoria, Windhuk, Johannesburg) durchgeführt wird. Aus diesem Grund unternahm ich bereits im Februar 2013 eine Dienstreise nach Windhuk, um mit den Geschichtskollegen der anderen Auslandsschulen das für die Oberstufe verbindliche Kerncurriculum auszuarbeiten. Mit genau diesen Kollegen und am selben Ort erstellte ich dann dieses Jahr die Aufgabenvorschläge für das Regionalabitur. Die Zusammenarbeit sowie der Austausch untereinander erwiesen sich als äußerst bereichernd und erfolgreich.

Ein Austausch mit den Kollegen der anderen Deutschen Auslandsschulen im südlichen Afrika findet außerdem auf zahlreichen Fortbildungsseminaren statt, die abwechselnd an den verschiedenen Schulen angeboten werden. Ich besuchte beispielsweise eine Fortbildung zu kompetenzorientierten Lehrplänen in Pretoria. Schulintern gibt es die Möglichkeit, sich in unterrichtsbezogenen Lehrerteams mit Kollegen auszutauschen und voneinander zu lernen, indem man sich gegenseitig im Unterricht besucht und Feedback gibt. Diese ULT-Teams sind besonders dazu geeignet, gemeinsam das Prinzip des kooperativen Lernens umzusetzen.

Obwohl die DSK eine Privatschule ist, finden nur wenige für die Lehrkräfte verpflichtende Veranstaltungen (Sportfest, Tag der offenen Tür, Basar) am Wochenende statt. Hierfür werden die Ferien um je einen Tag verlängert, so dass der Zeitaufwand kompensiert wird. Das Arbeitspensum im ersten Jahr erschien zwar recht hoch, dies lag aber in meinem Fall vor allem darin begründet, dass ich Berufsanfängerin war und neben der Fachleitung allein die Unterrichtsplanung viel Zeit in Anspruch nahm. In diesem Jahr verlief der Schulstart bereits wesentlich stressfreier.

Privatleben

Surfen entlang der Garden RouteQuelle: Ramona Bachmann

Privat habe ich mich ebenfalls sehr gut in Kapstadt eingelebt und auch außerhalb der Schule einen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. In der Freizeit bietet es sich hier äußerst gut an, wandern zu gehen, da der Tafelberg unzählige Wanderrouten für jedes denkbare Fitnessniveau anbietet. Surfen ist in Kapstadt ebenfalls sehr beliebt. Auch wenn der ein oder andere Haialarm in Muizenberg dann doch etwas davon abschreckt, ist es immer wieder schön, an den ca. 30 Minuten entfernten Indischen Ozean zu fahren, um dort das warme Wasser zu genießen, mit Surfboard oder auch ohne. Vor einigen Wochen habe ich mir dann noch einen Kindheitstraum erfüllt und einen VW Käfer gekauft, von denen findet man hier nämlich noch jede Menge und der TÜV ist auch nicht ganz so streng wie in Deutschland.

Ramona Bachmann