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Berufung - Beruf - Begeisterung ... leben

Datum 13.03.2015

Heiko Weinhappl unterrichtet seit 2014 Betriebs- und Volkswirtschaftslehre als Auslandsdienstlehrkraft am Colégio Humboldt in São Paulo.

Mein Name ist Heiko Weinhappl, ich bin 34 Jahre alt und arbeite seit Juli 2014 als Auslandsdienstlehrkraft (ADLK) am Colégio Humboldt in São Paulo. Dort unterrichte ich die Fächer Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an der kaufmännischen Berufsschulabteilung und bin für den Bereich Industriekaufleute verantwortlich.

Lebens- und Berufsmotivation

Ich entschied mich für den Auslandsschuldienst um neue Kulturen kennenzulernen, sowohl im Lehrer- als auch im Privatleben. Für mich war nach den Anfangsjahren im baden-württembergischen Schuldienst eine Weiterentwicklung wichtig, ich wollte viele neue Dinge sehen und erleben, die meine Zukunft bereichern würden. Diese Erfahrungen würden auch für meine weitere Laufbahn hilfreich sein.

Schulleben

Blick auf das Colégio Humbodt in Sao PauloQuelle: Heiko Weinhappl

In São Paulo wurden die Hoffnungen auf diese Weiterentwicklungsmöglichkeiten bis dato erfüllt. Die Schule lässt kaum Wünsche offen. Das Gelände auf dem sich die Schule befindet, ist wie ein Campus großzügig angeordnet und die Ausstattung der Schule ist hervorragend. Es gibt ein Schwimmbad, eine große Sportanlage und viele Aufenthaltsmöglichkeiten für die Schüler. Auch die Klassenzimmer sind gut ausgestattet, da es einen Beamer und viele Lernmaterialien für die Schüler gibt.

Das Arbeitsklima an der Schule ist ebenfalls angenehm, was sich bereits zu Beginn zeigte, als ich von den Kollegen als Neuling sehr gut aufgenommen wurde. Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit, da sie eine ähnliche Situation selbst durchlebt hatten.

Die Berufsschulabteilung ist mit vier Wirtschaftslehrern sehr überschaubar, wodurch es leicht ist, Absprachen zu treffen und Projekte durchzuführen. Das Unterrichten macht ebenfalls viel Spaß, da die Klassen aus deutscher Perspektive eher klein sind. Dadurch kann man sehr gut auf die einzelnen Schüler und deren Bedürfnisse eingehen.

Die Klassen sind von ihren Sprachkenntnissen, aber auch von ihrem Leistungsvermögen sehr heterogen, weshalb Binnendifferenzierung eine unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiches Unterrichten ist. Wenn man offen auch an die Schüler herangeht und sich auf sie einlässt, macht das Unterrichten sehr viel Spaß.

Die Schüler hier sind überdurchschnittlich motiviert, während Disziplinprobleme eher eine Seltenheit sind. Auffällig ist, dass ihnen die persönliche Ebene sehr wichtig ist. Das Privatleben betreffende Fragen, die in Deutschland nie gestellt werden würden, sind hier Alltag.

Fußballspiel zum SchuljahresendeQuelle: Heiko Weinhappl

Große Unterschiede werden auch in der Schulorganisation deutlich. Da das Colégio Humboldt eine Privatschule ist, kommt der Öffentlichkeitsarbeit eine entscheidende Bedeutung zu, um die Wahrnehmung der Schule gegenüber den unterschiedlichen Zielgruppen ständig zu verbessern. Deshalb finden hier auch sehr viele Feste und Veranstaltungen statt.

Auch im Berufsschulbereich müssen wir um unsere Schüler werben, etwas was auch an Schulen in Deutschland immer mehr auf der Tagesordnung steht, hier jedoch ein noch stärkeres Gewicht hat.

Die Steigerung der Bekanntheit des Dualen Systems in Brasilien ist eine der wichtigsten Aufgaben, die derzeit ansteht. Dies erfordert die ständige Kommunikation und den Austausch mit Schulen, von denen potenzielle Interessenten für eine Berufsausbildung kommen. Darüber hinaus muss Kontakt mit den derzeitigen Ausbildungsunternehmen gepflegt und neue Unternehmen rekrutiert werden. Diese und viele andere Herausforderungen erwarten einen im Berufsschulbereich des Auslandsschuldienstes.

Privatleben

Aber nicht nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich werden viele Unterschiede deutlich. Dies liegt zum einen an der brasilianischen Mentalität im Allgemeinen, aber auch speziell an der Stadt São Paulo. Die Metropole begegnete uns im Vorfeld nur als "Moloch", wie sie in Reportagen oder Zeitungsartikeln gerne bezeichnet wird. Deshalb hatten wir sehr gemischte Gefühle, als meine Frau und ich im April 2014 zu unserem sogenannten "Look-and-See-Trip" nach Brasilien reisten.

Früchetauswahl auf dem Mercado MunicipalQuelle: Heiko Weinhappl

Die vielen, von den Medien gestreuten Vorurteile, bewahrheiteten sich glücklicherweise kaum. Natürlich ist die Qualität der Luft anders als in Deutschland, der Verkehr ist zu manchen Zeiten katastrophal und die öffentliche Verwaltung und andere Dienstleister arbeiten deutlich langsamer, als man es gewohnt ist. Aber wenn man mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache herangeht, wird man häufig positiv überrascht. Man muss sich immer nur zwei Dinge bewusst machen: alles dauert ein wenig länger, aber am Ende klappt es dann doch.

Wenn man sich auf die brasilianische Mentalität einlässt, kann man für seine eigene Persönlichkeit, die bisweilen durch eine gewisse deutsche Engstirnigkeit geprägt ist, einiges mitnehmen. Außerdem sind die gute Laune und die Freundlichkeit der Menschen, nicht nur im Privat- sondern auch im Geschäftsleben ansteckend. Und nicht nur die Menschen haben vieles zu bieten.

Die Möglichkeiten innerhalb der Stadt, des Großraums São Paulos und des Landes Brasiliens sind immens. So finden in der Stadt eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen statt, die zum größten Teil umsonst sind. Es gibt viele Märkte, wo eine Vielzahl von leckerem Obst und Gemüse angeboten wird. Außerdem locken verschiedene Grünflächen, die die Möglichkeit bieten, der Hektik der Stadt zu entkommen. Und falls dies nicht mehr ausreichen sollte, ist man in einer guten Stunde am Meer oder in den Bergen.

São Paulo hat drei große Flughäfen, mit Hilfe derer man leicht das ganze Land bzw. den ganzen Kontinent bereisen kann. Auch die Sorgen, meine Frau werde sich hier nicht wohlfühlen, da sie keine Arbeitserlaubnis bekommt, stellten sich als völlig unbegründet heraus. Sie genießt die vielfältigen Möglichkeiten, die die Stadt bietet, um sich selbst weiterzuentwickeln, neue Interessen zu entfalten und ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Erholung auf der IlhabelaQuelle: Heiko Weinhappl

Die Integration in die Stadt fällt durchaus leicht, da es nicht nur eine große deutsche Bevölkerung innerhalb São Paulos gibt, sondern auch viele andere Ausländer hier leben. Dies erleichtert zumindest zu Beginn die Akklimatisierung.

Aber wenn man offen und interessiert auf die einheimische Bevölkerung zugeht, dauert es nicht lange, bis man erste Bekanntschaften mit Brasilianern schließt. Damit bekommt man einen tiefen Einblick in die Lebens- und Denkweisen dieser herzlichen Menschen, was den Aufenthalt im Ausland noch angenehmer werden lässt. Auch der Kontinent hat sehr viel zu bieten. So nutzten wir die Chance, zum ersten Mal sechs Wochen im Dezember und im Januar Sommerferien zu haben, um Ecuador und Peru zu erkunden. Und es warten noch viele weitere Länder und Regionen hier in Südamerika darauf erkundet zu werden.

Fazit

Das erste Fazit nach einem guten halben Jahr fällt daher sehr positiv aus. Die Sorge von Eingewöhnungsschwierigkeiten stellte sich als vollkommen unbegründet heraus. Wenn man sich auf die neue Aufgabe, die Stadt und das Land einlässt, so lässt es einen ebenfalls ein. Man wird immer wieder von vielen interessanten Erlebnissen überrascht, die das Leben bereichern und auch noch lange nach dem Aufenthalt als unvergessliche Erinnerungen im Gedächtnis bleiben werden. So etwas erlebt man als Lehrer nur im Auslandsschuldienst, zumindest in São Paulo, am Colégio Humboldt.

Heiko Weinhappl