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Добре дошли в България - Willkommen in Bulgarien!!!

Datum 28.11.2017

"Die ZfA wird nie einen Nichtmuttersprachler brauchen!" - Das war meine Vermutung, als ich zuerst mit dem Gedanken gespielt habe, als Auslandsdienstlehrkraft zu arbeiten. Damals in 2014 habe ich als Englisch- und Deutschlehrer an einem Berufskolleg in NRW gearbeitet und alles schien perfekt zu sein: das Kollegium, die Schule, der Umgang mit den Klassen, die spannende Arbeit mit unterschiedlichen internationalen Projekten an der Schule. Nur der Wunsch, noch mal rauszukommen, war immer da.













Die Tätigkeit als Deutschlehrer in NRW war für mich bereits eine erste Stelle im Ausland. Da ich zuvor meist Erfahrung in meinem Heimatland Portugal als DaF-Lehrer gesammelt hatte, kam ich damals zu der falschen Schlussfolgerung, dass ich nicht qualifiziert genug für den Auslandsschuldienst war. Allerdings zog es mich nach sechs Jahren in NRW wieder weg, raus in die Welt, und deswegen habe ich trotzdem eine Freistellung beantragt.

Zu meiner Überraschung hat es nicht lange gedauert, bis ich ein Angebot als Fachschaftsberater für Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, bekommen habe. Ich werde die Reaktion der Mehrheit meiner Kollegen in Deutschland nie vergessen, denn ich erntete einhelligen Widerspruch - alle hatten Angst um mich und haben mich vor den großen Unterschieden zu Westeuropa gewarnt. Ich muss gestehen, dass ich die Stelle angenommen hatte, ohne überhaupt in diesem Land gewesen zu sein und ich hatte darum gar keine Vorstellung davon, was mich erwarten würde.

"Ein Tag in Sofia war genug, um mich in die Stadt zu verlieben"

Ich wollte trotzdem Bulgarien eine Chance geben und habe unterschrieben. Als ich dann für ein langes Wochenende hingeflogen bin, mit der Absicht, eine Wohnung zu finden, war ich positiv überrascht: Ein Tag in Sofia war genug, um mich in die Stadt zu verlieben. Wie sehr meine Kollegen sich getäuscht hatten! Sofia hat all das zu bieten, was man von einer großen europäischen Hauptstadt erwarten kann. Sicherlich nicht so modern wie die großen Metropolen in Westeuropa, dafür aber charmant und mit einer Einzigartigkeit versehen, wie dies nur post-kommunistischen Großstädten möglich ist.

Außerdem ist die Stadt am Fuße eines großen Berges (Vitosha) gelegen, was zahlreiche Naherholungsmöglichkeiten bietet, wie Skifahren im Winter oder Wandern im Sommer. Die Schwarzmeerküste ist in drei Stunden mit dem Auto zu erreichen.

Schulsystem Bulgariens war Neuland

Motivation und Lust auf die Arbeit mit Schülern und Kollegen in Sofia und die damit verbundenen Herausforderungen haben die anfänglichen Vorbehalte und Ängste sehr schnell verdrängt. Natürlich war auch das Schulsystem in Bulgarien für mich Neuland. Die Zugangsvoraussetzung für die Aufnahme an einem Fremdsprachengymnasium in Bulgarien ist in der Regel eine ausgezeichnete Durchschnittsnote bei den Aufnahmeprüfungen am Ende der siebten Klasse. Da Fremdsprachengymnasien in Bulgarien sehr begehrt sind, und da sich meine Stammschule in der Hauptstadt befindet, kann die Schule in der Regel sehr motivierte und ehrgeizige Schüler rekrutieren.

Meine Schule gilt als eine der besten Schulen Bulgariens. Alle 1.500 Schüler lernen Deutsch, in der Oberstufe (ab der achten Klasse) immer als erste Fremdsprache. Die Klassen bestehen in der Regel aus 32 Schülerinnen und Schülern, was eine individuelle Förderung erschwert. Die Schüler sind allerdings sehr diszipliniert, was die Klassengröße relativiert. Die Leistungsfähigkeit der meisten Schüler ist am Ende der zwölften Klasse insgesamt im Kompetenzbereich C1 einzustufen.

Die sehr guten Sprachkenntnisse der Schüler ermöglichen zudem ein zügiges Lerntempo. Einige sehr intelligente Schüler bereichern den Unterricht mit ihrer Sachkenntnis und anregenden Fragestellungen. Allerdings ist das Zeitmanagement manchmal schwierig. Bei einigen Lernenden ist immer zu befürchten, dass sie das Stundenziel gleich mit ihrer ersten Bemerkung zum Einstieg erfassen und vorwegnehmen.

Kreatives Arbeiten und innovative Ansätze erleben

Winter im Vitosha Gebirge Добре дошли в България - Willkommen in Bulgarien!Quelle: Maia Iobidze

Außerdem betreue ich fünf andere DSD II-Schulen in Sofia und Umgebung und auch drei DSD I-Schulen, und noch dazu ein Gymnasium, welches das neue Format DSD I PRO einführen möchte. An allen diesen Schulen führe ich eigenen Unterricht zu Hospitationszwecken durch. Diese Arbeit mit den Schülern ist mir sehr wichtig. So kann ich Gruppen mit unterschiedlichen Merkmalen beobachten und sowohl die jeweiligen Schulen bei der Implementierung des DSD-Programms besser beraten als auch die Deutschlehrkräfte fachlich und methodisch-didaktisch besser fortbilden.

Die hohe Qualifikation der bulgarischen Kollegen, die teilweise auch fachfremd andere Fächer, wie Naturwissenschaften, auf Deutsch unterrichten, und der gute Zusammenhalt im Kollegium, bilden eine gute Voraussetzung für eine hervorragende Teamarbeit, die besonders bei unseren Projekten sehr förderlich ist. Seitens der Fachberatung und der Schulleitung haben wir einen großen Handlungsspielraum und dürfen kreatives Arbeiten und innovative Ansätze erleben.

Alexander Nevski Kathedrale Добре дошли в България - Willkommen in Bulgarien!Quelle: Armanda Sousa

Unterrichtsstunden werden grundsätzlich kollegial vertreten, was mir bei meinen oft zeitintensiven außerschulischen Tätigkeiten sehr entgegenkommt. Wegen der Fülle an Projekten, bei denen die Arbeit entsprechend der Neigungen der Kollegen verteilt wird, um eine gegenseitige Ergänzung zu erwirken, ist die Teamarbeit besonders wichtig.

Wir haben zudem ein Erasmus+ Projekt mit meinem Berufskolleg in NRW und einer Partnerschule aus Portugal ins Leben gerufen, so dass nun ein Austausch auf internationaler Ebene (Südosteuropa, Deutschland und Portugal) für Lehrer und Schüler stattfindet und auch über die nächsten Jahre stattfinden wird.

Fazit

Alle Bedenken von Freunden und Kollegen waren unbegründet. Diese Auslandserfahrung ist in jeder Hinsicht sehr positiv und hat mein Leben sowohl beruflich als auch privat sehr bereichert. Ich würde es immer wieder tun!


Goncalo Lopes de Sá