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Schülerinnen und Schüler erreichen und auf Deutschland neugierig machen

Datum 25.02.2014

Gerhild Schiller unterrichtete von 2007 bis 2013 als Bundesprogrammlehrkraft an der Sprachdiplomschule "Pastor-Dohms-Schule" in Porto Alegre in Südbrasilien.

Warum gibt es eine Bundesprogrammlehrkraft-Stelle in Porto Alegre? 1824 kamen aus dem hungernden Deutschland viele Familien nach Südbrasilien und sprachen Hunsrück, Platt und Hochdeutsch. Und das ist bis heute so geblieben, deshalb sprechen viele Leute in den Städten und im Hinterland von Rio Grande do Sul Deutsch. So haben viele Schüler schon mal Deutsch gehört, manche können mit ihren Großeltern Deutsch sprechen - ach, wenn sie das nur machen würden.

Im Kollegium sprechen ein paar Kollegen Deutsch und zwar sehr gut. "Meine Eltern haben mit mir Deutsch gesprochen". "Meine Mutter hat bis zu ihrem 6. Lebensjahr nur Deutsch gesprochen, dann kam sie in die Schule und musste Portugiesisch reden." Diese beiden Sätze hört man sehr oft. Deutsch ist präsent in Südbrasilien: Wursthaus, Leckerhaus, Südauto, Ratskeller – Begriffe, die alle kennen. Alljährlich gibt es ein deutschsprachiges Theaterfestival, es gibt Vorlese- und Schreibwettbewerbe an allen Schulen, die Deutsch anbieten. Die Pastor-Dohms-Schule wurde 1931 gegründet und befindet sich seitdem in den längst zu klein gewordenen Gebäuden, die Schülerzahl hat sich auf 1500 eingependelt.

Neu alles neu

Auch hier rauchen die Köpfe, Prüfungszeit im WinterQuelle: Gerhild Schiller

So kam ich 2007 an die Schule, Ehemann und Kinder hatte ich mitgebracht, die Kinder gingen auch auf meine Schule und ich konnte mit Hilfe meiner Deutschkolleginnen ins kalte Wasser springen. Die Schülerinnen und Schüler werden auf das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz vorbereitet: 8. Klasse: 4-stündig, auf die Prüfung A2 vorbereiten; 10. Klasse: 4-stündig auf die Prüfung B1 vorbereiten; 11. Klasse: einige Schüler kamen gerade aus Deutschland und wurden ebenfalls auf die B1 Prüfung vorbereitet; 11. Klasse: C1-Prüfungsvorbereitung mündlich; 3. Klasse: viel Singen, Malen, Spielen, wenig Schreiben. Neu, alles neu macht der Mai. Im ersten Jahr rauchte mir der Kopf, das ist wohl überall so.

Die Vorbereitung auf die anspruchsvolle C1-Prüfung ist immer arbeitsintensiv gewesen. Die Schüler müssen erst lernen sich aktuelle Themen des deutschen Alltags anzueignen und dann kontrovers diskutieren lernen. Eine Arbeitsweise, die immer wieder geübt werden muss.

Schüler der 8. Klasse und der 10. Klasse können an der jahrelang ersehnten Deutschlandreise teilnehmen. Sie bleiben 45 Tage in einer Gastfamilie und gehen regulär zur Schule. So bekommen sie viel Input in der deutschen Sprache und erhalten einen profunden Einblick in das Leben in Deutschland. In dieser Zeit machen die Schüler einen großen sprachlichen und intellektuellen Entwicklungsschub. Nach dem Familienaufenthalt vergleichen sie beide Familienleben, reflektieren über Vor- und Nachteile der beiden Schulsysteme und kommen sehr oft gereift nach Brasilien zurück. Ich habe 2008 und 2012 je eine 8. Klasse begleitet und war in beiden Fällen bewegt von den Veränderungen und der gesteigerten Diskussionsfähigkeit. Danach kann man wunderbar mit der Klasse Nachbesprechungen machen und sie sind viel motivierter im Unterricht.

Kulturwoche, Tag der offenen Tür, Theaterfestival…

Tag der offenen Tür in der "Pastor-Dohms-Schule"Quelle: Gerhild Schiller

Neben dem regulären Unterricht habe ich mich immer gerne an der Kulturwoche und am Tag der offenen Tür beteiligt. Mit einer Kollegin habe ich "Deutschland schmeckt gut" veranstaltet, eine Reise durch Deutschland mit allen Sinnen: von Kölnisch Wasser, über die Bonner Gummibärchen, Nivea bis zu Nutella.

Für das Theaterfestival habe ich den "Rattenfänger zu Hameln" für die 6. Klasse adaptiert und mit ihnen aufgeführt. Jahre später habe ich mit den Protagonisten vor der Schule gesessen und wir haben alle Texte frei gesprochen, die saßen. Alle zwei Jahre findet die Bienal do Mercosul in Porto Alegre statt, eine internationale Kunstausstellung. Ich nahm meine Schüler mit und animierte sie zum Sprechen außerhalb der Schule.

Wenn mir Schüler mitten im neuen Schuljahr sagen, sie hätten Sehnsucht nach meinem Unterricht, wenn Eltern sich bedanken, wenn Schüler zum Abschied das Gedicht von Ringelnatz "An meinen Lehrer" überreichen, habe ich das Gefühl, dass ich einiges erreicht habe.

Gerhild Schiller