Herzlich Willkommen auf der Homepage des Bundesverwaltungsamtes

Fest im Griff des "Auslandsvirus´"

Datum 29.01.2014

Cornelia Scherf-Kraß unterrichtet seit 2011 als Auslandsdienstlehrkraft an der Deutschen Schule Málaga.

"Mama, in Deutschland ist es schön, aber ein bisschen langweilig. Können wir nicht mal wieder was machen?" Dieser Satz meines damals 13-jährigen Sohnes gab den Ausschlag mit unserem Vorsatz, nach unserem ersten Auslandsaufenthalt in Santiago de Chile erst einmal die Füße still zu halten, umgehend zu brechen. Die Eingewöhnung nach den fantastischen Jahren an der Deutschen Schule Santiago war uns allen sehr schwer gefallen, die Erinnerungen an die ereignisreiche Zeit in Südamerika waren noch frisch und die Abenteuerlust war ungebrochen. So beschlossen wir alle gemeinsam, dass ich mich erneut für den Auslandsschuldienst bewerben sollte.

Die Deutsche Schule Málaga, an der ich nun seit September 2011 Englisch, Deutsch als Muttersprache und als Fremdsprache unterrichte, ist für uns ein Glücksfall: Wir sind erneut in einem spanischsprachigen Land – eine der Bedingungen, die meine Kinder gestellt hatten –, meine Söhne, mittlerweile 18, 17 und 15 Jahre alt, können hier, an einer kleinen, familiären Schule, das Abitur ablegen, mein Mann kann einige Stunden Cellounterricht geben und wir sind innerhalb Europas, was in Anbetracht der Tatsache, dass unsere Söhne wohl in Deutschland studieren werden, auch nicht ganz unwichtig ist. Und ganz abgesehen davon, sind wir in einer herrlichen Umgebung – im sonnenverwöhnten Andalusien! Wir leben dort, wo viele Menschen Urlaub machen und viele, zumeist britische Rentner ihren Lebensabend verbringen. Umso wichtiger war es uns, in ein gewachsenes spanisches Wohnviertel zu ziehen, wo man vom Tourismus tatsächlich nichts mitbekommt, wenn man das nicht möchte. Von der Schule, die auf einem Berg liegt, sieht man sowohl auf das Meer als auch auf die Berge und ich bin mir der wunderschönen Landschaft auch nach zweieinhalb Jahren fast immer noch täglich bewusst.

Leitung der Steuergruppe

Arbeit mit der Lesekiste in der DaF-Gruppe der 5b Cornelia Scherf-Kraß ADLK MalagaQuelle: Martin Beckmann, DS Málaga

In meinem dritten Jahr habe ich nun die PQM-Stelle und leite zusammen mit einer Ortslehrkraft (OLK) die Steuergruppe. Besonders spannend war in diesem Zusammenhang eine Fortbildung von Dr. Emminger, in der wir zu Peers ausgebildet wurden. Im vergangenen November bereitete ich zusammen mit meiner Kollegin den Besuch von unseren "kritischen Freunden" - drei Kollegen der Deutschen Schule Madrid – vor und im kommenden Schuljahr werden wir in Madrid als Peers auftreten. Auch wenn ich bereits im Inland aktiv an der Schulentwicklungsarbeit mitgewirkt habe und dieses Aufgabenfeld daher für mich kein Neuland ist, so beinhaltet die Arbeit an einer Auslandsschule doch noch ganz andere Herausforderungen, wie zum Beispiel die Binnendifferenzierung im Unterricht, an der wir derzeit intensiv arbeiten.

An meinem bayerischen Gymnasium im Speckgürtel Münchens war die Schülerschaft weitgehend homogen, bei uns an der DS Málaga sitzen jedoch neben Gymnasiasten, die den Großteil der Schülerschaft ausmachen, auch Real- und Hauptschüler in den Klassen, denen man genauso gerecht werden möchte wie den muttersprachlich deutschen und den muttersprachlich spanischen Kindern. Zudem wähle ich seit diesem Schuljahr die Praktikanten für die Oberschule aus und betreue sie während ihres 7- oder 13-wöchigen Aufenthalts bei uns an der Schule. Diese Tätigkeit bringt zwar einiges an Arbeit mit sich, aber dieser Aufwand lohnt sich für alle Beteiligten sehr.
Konzept zur Leseförderung etabliert

Ein Konzept, das ich mit einigen Kollegen in Bayern entwickelt habe, habe ich an der DS Málaga im Rahmen der Fördermaßnahmen für das Fach Deutsch etablieren können. Es handelt sich dabei um ein Konzept zur Leseförderung, das in Vertretungsstunden zum Einsatz kommt: Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 wurden Kisten mit thematisch verschiedenen, altersgerechten Büchern mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad angeschafft. Zudem wurde für jedes Buch ein Katalog mit Fragen zum Textverständnis bereitgestellt und ein Bogen mit weiterführenden Aufgaben erstellt. Bei den Aufgaben wird den verschiedenen Interessen und Fähigkeiten der Kinder Rechnung getragen: So können die Schüler beispielsweise einen Brief an ihre Lieblingsfigur verfassen, neue Illustrationen für ihr Buch anfertigen oder eine eigene Buchrezension verfassen, und das alles in ihrem eigenen Tempo und ihren Fähigkeiten entsprechend. Die Bücher und die Mappen mit den Aufgaben bleiben immer in der Schule, sind also stets verfügbar. Der jeweilige Deutschlehrer überwacht und honoriert den Lesefortschritt seiner Schüler in regelmäßigen Abständen.

Das Kollegium ist bei einer Schülerschaft von knapp 700 Schülern entsprechend klein. Auch wenn mir hier die ausgelassenen Feste fehlen, die wir in Chile gefeiert haben, so ist der Zusammenhalt gut. Ich persönlich suche immer auch den Kontakt zu den spanischen Kollegen, denn ich möchte möglichst viel und immer mehr von Spanien und der spanischen Kultur kennen lernen. Auch das macht das Leben und Arbeiten im Ausland für mich so reizvoll.

Unsere Entscheidung ein zweites Mal ins Ausland zu gehen, haben wir keine Sekunde lang betreut, nur der Gedanke an das Zurückkehren macht uns Angst, nicht zuletzt oder gerade weil wir schon einmal erlebt haben, wie schwer das ist.

Cornelia Scherf-Kraß