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Und noch ein Jahr... – Als Bundesprogrammlehrkraft in Windhoek

Datum 30.01.2014

Christine Hedtrich ist direkt nach dem Referendariat als Bundesprogrammlehrerin an die Deutsche Höhere Privatschule (DHPS) Windhoek in Namibia gegangen.

Es ist bereits das vierte Jahr an der DHPS in Windhoek. Angefangen hat das Lehrerdasein in Namibia im Januar 2011 direkt nach dem Referendariat und war eigentlich als ein Zweijahresaufenthalt geplant, denn so war der Vertrag als Bundesprogrammlehrkraft (BPLK). Als man mich bereits im ersten Jahr fragte, ob ich denn nicht verlängern wollte, habe ich darauf hingewiesen, dass ich nicht mal ein Jahr da sei und ich auch - und in dem Moment für mich wichtiger - nicht mal ein volles Schuljahr unterrichtet hätte. Dies gab mir etwas Zeit, um die Entscheidung ein wenig nach hinten zu verschieben. Einige Monate später, im zweiten Schuljahr, war die Entscheidung einfach: Ja, ich bleibe noch ein weiteres Jahr da. Im dritten Jahr bat ich dann darum, ob es nicht möglich wäre, noch ein Jahr zu bleiben.

Die anfängliche Zurückhaltung meinerseits hing weder mit der Schule noch mit dem Land und seinen Leuten zusammen, denn diese sind geprägt von Wärme - nicht nur klimatisch - und Herzlichkeit und haben mir meinen Start als Lehrerin als auch in diesem wunderbaren Land ganz einfach gemacht, wodurch ich beides mehr und mehr lieben lernte. Es war vielmehr die Unsicherheit über meine eigene Zukunft allgemein und über mein neues berufliches Dasein. Doch trotz der üblichen Höhen und Tiefen bereitet mir das Unterrichten große Freude, wozu die sehr netten und lernwilligen Schüler an der Schule vermutlich ihr Übriges beitragen.

Begegnung und Austausch der vielen Kulturen Namibias

Christine Hedtrich (links) zusammen mit ihrer Schulklasse Christine Hedtrich BPLK WindhoekQuelle: Deutsche Höhere Privatschule Windhoek

Die DHPS ist eine große Schule mit ca. 1.000 Schülern, beginnend im Kindergarten bis zum Abitur. Das Besondere an dieser Auslandsschule ist die hohe Zahl an deutschen Muttersprachlern, was natürlich mit der Geschichte des Landes zu tun hat und wodurch das Land stark geprägt ist. Neben einem dreizügigen deutschen Zweig hat die Schule auch einen englischen Zweig, in dem die Schüler bereits seit der ersten Klasse Deutsch lernen müssen, damit sie ebenfalls die Möglichkeit haben, das deutsche Abitur ablegen zu können. Andernfalls beenden sie ihre Schullaufbahn mit dem namibischen Abschluss (NSSC), auch nach der 12. Klasse. Diese Zweigleisigkeit trägt entscheidend zur Begegnung und zum Austausch zwischen den vielen Kulturen Namibias bei. Das ist mir besonders als Geschichtslehrerin ein großes Anliegen, denn allzu oft ist das Miteinander von Vorurteilen und falschen Annahmen geprägt, und das alltägliche Leben erzwingt ein richtiges Miteinander der Kulturen nicht wirklich. Doch gerade auch diese Gegensätze und Konflikte machen das Unterrichten reizvoll und herausfordernd.

Offenheit und Diskussionsbereitschaft der Schüler

Vergessen werden soll dabei aber nicht die Offenheit und Diskussionsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler. Als Lehrerin aus Deutschland mit Oberstufenbefähigung wird man hauptsächlich in der Sekundarstufe II eingesetzt, wodurch auch tiefer gehende Diskussionen mit den Lernenden zu ihrem Land möglich sind. Neben den interessierten Schülern besticht die DHPS durch ein sehr freundliches und offenes Kollegium, das es jedem Neuankömmling leicht macht, sich schnell einzuleben. Außerdem bietet die Schule viele Freiheiten und Unterstützung, um Projekte unterschiedlichster Art – von einer Kunstvernissage über Geschichtsexkursionen und Sozialprojekten bis hin zu Musical-Aufführungen – durchzuführen. Ein besonderes Bonbon für jeden Englischlehrer an der Schule ist das hohe sprachliche Niveau in der englischen Sprache, auch im deutschen Zweig, so dass beispielsweise ein intensiver Literaturunterricht von keinen sprachlichen Hürden behindert wird.

Erfahrungen für das spätere Berufsleben

Gruppenbild einer jahrgangsübergreifenden Gruppe, die soziale Projekte an der Schule organisiert Christine Hedtrich BPLK WindhoekQuelle: Christine Hedtrich

Als Lehrkraft aus Deutschland wird man schnell in unterschiedlichen Gremien der Schule mit eingebunden, und es wird einem in diesem Zusammenhang auch Verantwortung übergeben. Daraus ergab sich bei mir beispielsweise eine Fachschaftsleitung bereits nach zwei Berufsjahren und die Mitverantwortung für die Entwicklung der Schulcurricula in den Fächern Englisch und Geschichte. Im Nachhinein bin ich für diesen Vertrauensvorschuss dankbar, gab er mir doch die Möglichkeit, Erfahrungen auch für mein späteres Berufsleben in Deutschland zu sammeln.

Auch wenn die Schule sehr einnehmend sein kann und von deutschen Lehrkräften einen großen Einsatz fordert, bleibt immer noch ausreichend Zeit, um namibisches Land und Leute sowie das südliche Afrika zu erkunden und kennenzulernen. Gerade für einen Geschichtslehrer bietet Namibia viele interessante Möglichkeiten, um in den Spuren der Vergangenheit zu wandern. Dies ist besonders interessant, da Namibia durch die Kolonialzeit eine teilweise noch enge Verbindung mit Deutschland hat.

Das südliche Afrika und besonders Namibia sind durch eine große Naturvielfalt gekennzeichnet - weite, trockene Wüsten im Westen, unglaublicher Tierreichtum im Norden, Berge im Zentrum und endlose Weiten in der Kalahari im Osten -, so dass es an Ausflugs- und Urlaubsoptionen nicht mangelt.

Im nun vorerst letzten Jahr in Namibia werde ich die Arbeit an der Schule weiterhin genießen, begonnene Projekte beenden oder zur Übergabe vorbereiten und werde mir wohl Gedanken machen müssen, wo es nach diesem, vor allem beruflich erfahrungsintensiven, Aufenthalt hingehen soll.

Christine Hedtrich