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Ich würde es immer wieder tun!

Datum 06.07.2016

Für mich war es eine Entscheidung des Bauches – wie man es oft so sagt! In geselliger Abendrunde nach einem Nachbereitungs-Seminar fragte eine Mitarbeiterin des Kultusministeriums "Wer von euch möchte nach China gehen?" Meine Hand war oben, ehe mein Kopf etwas realisiert hatte. – Barbara Damboldt unterrichtete von August 2009 bis Juni 2014 als Bundesprogrammlehrkraft (BPLK) in Jinan, Provinz Shandong, und erzählt hier von ihren Erfahrungen.

Man ist in China nie allein – Besuch des Sommerpalastes in Beijing (Peking) ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Nach dieser Bauchentscheidung schlief ich in der folgenden Nacht vor Aufregung kaum. Dann war es nur noch Vorfreude und Spannung! Ich hatte gedacht, für mich sei der Zug "Auslandseinsatz" abgefahren. Nun gab es da diese Partnerschule in Jinan/Provinz Shandong und eine offene Stelle als Bundesprogrammlehrkraft (BPLK).

Dass ich nicht zögerte, hatte verschiedene Gründe: Mein See-Mann war seinerzeit begeistert von der Asien-Route, besonders von China und Vietnam. Da wollten wir also schon immer mal hin... Er unterstützte mein Vorhaben auch bedingungslos und reiste mit aus. Das Wichtigste aber war – ich stellte mir nach 25 Jahren Lehrerdasein in Deutschland ernsthaft die Frage, ob ich noch weitere 14 Jahre im Fahrwasser zur Rente bleiben wollte. Die Frage "Wer von euch will nach China?" weckte in mir eine solche Lust und Neugier auf etwas Neues, die sich in fünf Jahren China überhaupt nicht abgenutzt hat!

Neugier und Offenheit

In jedem Wohngebiet findet man Freizeitsportanlagen, wo besonders die mittlere und ältere Generation täglich Sport treibt. Die Beweglichkeit und Gelenkigkeit der Älteren ist enorm! ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Ich traf in Deutschland auf viele Menschen, die sagten, sie bewunderten meinen Mut, in dieses Land zu gehen – so weit weg von zu Hause, so anders und fremd, und dann all die negativen Nachrichten in deutschen Medien... Ich fand nicht, dass dazu Mut gehörte. Nicht einmal, als ich am 30.08.2009 in Berlin zunächst allein das Flugzeug in Richtung Peking bestieg und wusste, dass ich erst zehn Monate später wieder nach Deutschland und zu meiner Familie zurückkehren würde. Was es braucht, ist Neugier, Offenheit, Verzicht darauf, alles mit "deutschen Maßstäben" zu bewerten, sich einlassen auf das Fremde, Unbekannte. Ich habe es auch in anderen Erfahrungsberichten gelesen – wenn einem das gelingt, geschieht etwas Wunderbares mit einem! Man wird sicherlich kein völlig anderer Mensch, aber die Arbeit, das Land, seine Menschen verändern einen! Es gibt immer wieder Gelegenheiten über sich zu staunen, was man alles kann, welche Talente in einem geschlummert haben, auch was man alles nicht braucht und trotzdem zufrieden ist. Ich glaube, ich hatte nicht gewusst, wie viel Spaß es macht, Probleme (jeglicher Art) zu lösen.

Problem-Lösungs-Strategien – das ist übrigens ein Feld der "kulturellen Differenzen" zwischen Deutschen und Chinesen. Während Chinesen solchen gern ausweichen, verhielt ich mich typisch deutsch – Problem annehmen & lösen und erntete so regelmäßig die Bewunderung meiner chinesischen Kolleginnen und Schüler, weil sie halt anders damit umgehen. An dieser Stelle seien Yang Lius Zeichnungen "Ost trifft West" erwähnt, die ich in der Vorbereitungswoche der ZfA in Köln kennen lernte und die mir halfen, Fettnäpfchen zu vermeiden. Auch wenn man zu den Menschen gehört, denen materieller Besitz nicht so wichtig ist, Leben & Arbeiten in China, Reisen in Asien verändern Sichtweisen und verschieben Prioritäten. Auch die Sicht auf das eigene Land, und das in zweierlei Hinsicht: Einerseits sieht man Dinge, die in Deutschland als "Problem“"wahrgenommen werden, viel gelassener. Andererseits sind wir Lehrer im Ausland immer auch Repräsentanten unseres Landes.

Mir war es wichtig, dass meine chinesischen Kolleginnen und Schüler Deutschland nicht nur als "Oktoberfest", "Schloss Neuschwanstein" und "Universität Heidelberg" sehen – schließlich komme ich aus dem Norden und zusätzlich noch aus dem Osten unseres Landes. Ich habe mich ganz natürlich also intensiver mit meinem Heimatland, unserer Kultur, unseren Werten, der Politik usw. auseinander gesetzt und es als schön empfunden, stolz auf vieles zu sein, wofür Deutschland steht. Im Unterricht, natürlich bei der Mündlichen Kommunikation im DSD II, in vielen persönlichen Begegnungen, besonders beim Abschied habe ich es erlebt - meine Schülerinnen und Schüler haben ein sehr positives Bild von Deutschland. Chinesen haben sehr positive "Vorurteile" von Deutschen, und es rührt mich, in ihren Briefen zum Abschied oder in Mails zu lesen, dass dies auch viel mit mir zu tun hat.

Die Schule hat uns ausländische Lehrer zum Pfirsichblütenfest eingeladen. Auf meinem Arm – mein philippinischer Patenenkel ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Häufig erlebt: eine Einladung der Stadt Jinan für ausländische Expats ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Abschiedsessen mit meiner chinesischen Freundin und ihrer Familie – kennengelernt haben wir uns im Schnellzug von Beijing nach Jinan ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Lust auf Lernen

Ich habe oben von Veränderungen bei mir selbst und von meiner Neugier geschrieben – ich war 51 Jahre alt, als ich nach China ging. Ich habe in diesen Jahren eine solche Lust auf Lernen verspürt wie lange nicht! Chinesisch ist wirklich sehr schwer zu lernen! Die Sprechwerkzeuge brauchen eine ganze Zeit, ehe sie bereit und in der Lage sind, schwierige Laute des Chinesischen zu formen. Von den Tönen und Zeichen ganz zu schweigen. Leider hatte ich dann nicht mehr genug Zeit, um einen entscheidenden Fortschritt beim Sprechen und Verstehen zu machen. Aber es macht einen Riesenspaß, etwas Neues auszuprobieren, sich auf der Straße beim Kauf von Obst, Gemüse, gebackener Süßkartoffel, beim Kauf von Tickets, im Hotel etc. auf Chinesisch zu verständigen!

Neu war (fast) alles in meiner Arbeit! Neu meine vielen ausländischen Kollegen und Kolleginnen aus der ganzen Welt, neu meine deutschen Kolleginnen und Kollegen, die an anderen chinesischen Schulen tätig waren und die ich zu Fortbildungs-Seminaren und bei Wettbewerben traf, neu meine chinesischen Kolleginnen – alle viel jünger als ich, eine für jeden Jahrgang, neu der Alltag in China, die Menschen mit ihrer Geschichte und ihrer Kultur, neu chinesisches Essen. Ich glaube mich zu erinnern, dass das Staunen und Ausprobieren mindestens drei Jahre andauerte, obwohl – das kann ich für mich sagen – ich vom ersten Tag an in China zu Hause war!

Dieses Sich-Zuhause-Fühlen hatte mit verschiedenen Aspekten zu tun: Ich habe Chinesen als sehr gastfreundlich erlebt –schon am Flughafen wurde ich freundlich empfangen. Ich hatte vom ersten Tag an tolle Begegnungen mit ausländischen Kolleginnen und Kollegen – Freundschaften, die bis heute andauern. Auf den Philippinen leben zwei Paten-Enkelkinder mit ihrer Großfamilie, die ich auch kennen lernte! Und auch die Gemeinschaft der Programmlehrkräfte (PLK) in China, einschließlich unserer Fachberaterinnen und Fachberater, war super! Wir sagten immer, alle, die nach China gehen, haben irgendeinen Tick... Obwohl wir an unseren Schulen immer auch Einzelkämpfer sind, innerhalb der Gruppe gibt es viel Unterstützung und auch viele gemeinsame Unternehmungen über das Berufliche hinaus.

Zur Arbeit

Als ich in Jinan begann, war der Deutschunterricht an meiner Schule noch im Aufbau – Jahrgang 4/Klasse 10 waren die Ältesten. Meine Schule hat ca. 10.000 Schülerinnen und Schüler. Mein Apartment befand sich auf dem Campus der Primary School im Süden, jede Jahrgangsstufe der Junior hatte ein eigenes Schulgebäude irgendwo in der Millionenstadt – später einen gemeinsamen im Nordwesten, der Campus der Highschool befand sich im Nordosten. Wir ausländischen Lehrer wurden täglich zu einem dieser Standorte gefahren, im ersten Jahr "nur" für den Vormittag oder den Nachmittag. Wir unterrichteten die Schüler und arbeiteten mit unseren jeweiligen chinesischen Kolleginnen.

Zwar war es mit viel Fahrerei verbunden, aber auch durch den unglaublich langen Sommer (er hielt bis Ende Oktober) fühlte ich mich im Vergleich zu Deutschland hier völlig entspannt.

Mein Mann machte sich immer ein bisschen lustig darüber: Mein Laptop sowie Drucker und Laminiergerät, die ich mir sehr schnell kaufte, wurden meine engsten "Vertrauten", mit denen ich sehr viel Zeit verbrachte. Ich hatte zuvor nichts mit dem DSD zu tun, aber ich bin natürlich als Fremdsprachenlehrerin mit dem Vermitteln einer Sprache vertraut. Ständig habe ich Arbeitsmaterialien gebastelt, Spielideen auf den zu übenden Wortschatz bzw. die grammatischen Formen übertragen... Obwohl ich von der ersten Begegnung an sehr guten Kontakt zu meinen chinesischen Schülerinnen und Schülern (wie auch zu meinen sehr jungen Kolleginnen!) hatte, trugen meine kommunikativen Lernmethoden und Belohnungen für Siegermannschaften in Form von Gummibärchen natürlich sehr zu meinem Ansehen unter den Schülern bei!

Ich muss dazu sagen, dass meine Schule eine "Fremdsprachenschule" ist, an der von der ersten Klasse an Englisch unterrichtet wird. Die besten Schülerinnen und Schüler lernen dann ab Klasse 7 eine zweite Fremdsprache, bei uns werden neben Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und Japanisch angeboten. Für alle zweiten Fremdsprachen ist jeweils ein Muttersprachler am Haus, für Englisch entsprechend mehr. Später begann noch ein A-Level-Programm an der Highschool zur Vorbereitung auf ein Studium in den USAd. h. an meiner Schule ist man im Umgang mit ausländischen Lehrern geübt und ist stolz darauf, von Muttersprachlern lernen zu dürfen.

Ostereierfärben mit Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Zusammen angefangen: mein erstes Schuljahr in Jinan – ihr erstes Jahr Deutschunterricht ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Abschiedsessen mit den chinesischen Deutschlehrerinnen und unserer kulturweit-Assistentin ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Marktbesuch und Plätzchenbacken

Mein erster Unterrichtsausflug durch die Marktstraße vor der Schule, um die Wörter für Obst und Gemüse mit allen Sinnen zu erlernen, wurde vom Schulleiter noch etwas skeptisch betrachtet. Später nicht mehr. Nachdem ich mit drei Jahrgängen mit jeweils 20 Schülern an Samstagen bzw. Sonntagen in der Großküche der Primary-School für unsere gemeinsame Weihnachtsfeier Weihnachtsplätzchen und -kuchen gebacken hatte, befürchtete ich Schlimmes. Aber ganz im Gegenteil – der Chefkoch grüßte mich fortan von Weitem! Backen im Klassenraum, Ostereier färben und suchen, meine chinesischen Schülerinnen und Schüler begeisterten sich für Landeskunde! Nächtliche Anrufe (auch mal nach 23.30 Uhr) wegen Unterricht am nächsten Tag oder "was war noch mal die Hausaufgabe?" sind in China nichts Ungewöhnliches.

Als im zweiten Jahr die Vorbereitungen auf die DSD-I und dann auch DSD-II-Prüfungen begannen, fand der Stress seinen Weg auch nach China. ABER für mich kann ich sagen: Ich habe zwar sehr viel Zeit & Energie in meine Arbeit gesteckt, um die nicht optimalen Bedingungen für meine DSD-Schüler auszugleichen (besonders das Erörtern in der Schriftlichen und Mündlichen Kommunikation wird durch den Unterricht in China nicht vorbereitet), aber der Lernwille, die Einsatzbereitschaft und die Fortschritte der Schüler, die diesen Weg gehen, um dann ein Studium in Deutschland zu beginnen, sind so enorm und für mich sehr befriedigend. Es ist nicht die viele Zeit, die wir für unseren Job aufbringen müssen, was einen frustrieren kann, es ist nur die Frage, wer darüber entscheidet. In China habe ich es selbst so entschieden und mich unglaublich gut damit gefühlt! Und dieses gute Gefühl ist immer wieder da, wenn mich eine Mail von ehemaligen chinesischen Schülern erreicht, die erfolgreich in Deutschland oder auch in China mit Austauschprogrammen studieren.

Eine andere Sache, die ich in China als persönlich beglückend empfunden habe, waren die zweimalige Teilnahme an einem Umweltprojekt der Stiftung "Mercator" gemeinsam mit unserer deutschen Partnerschule in Gadebusch sowie die Vorbereitungen von Schülern auf Wettbewerbe wie die Deutsch-Olympiade, besonders aber "Jugend debattiert". Letzteres vielleicht auch deshalb, weil hier Schülerinnen von uns sehr erfolgreich waren! Diese Phasen der Vorbereitung waren so intensiv, sowohl was den Lernfortschritt der Schülerinnen als auch unsere persönliche Beziehung betrifft, und sie war oft entscheidend in Bezug auf ein Studium in Deutschland. Aufgrund ihrer erfolgreichen Teilnahme durften sie für vier Wochen nach Deutschland. Eine Schülerin durfte an einer Debatte beim Internationalen Kongress in Berlin teilnehmen. Jetzt studiert auch sie bereits seit einem Semester in Mannheim, das Jahresende verbrachte sie in unserer Familie wie viele das bei ihren ehemaligen Lehrern in Deutschland tun.

Toll und intensiv auch die Phase der Studienorientierung – Entscheiden für eine Studienrichtung, Finden der passenden Universität in Deutschland, Bewerbung! Ich habe viel Arbeit investiert, damit die Schüler nicht nur nach Heidelberg oder München wollten (in China macht es oft der Name). Drei Mal habe ich chinesische Schüler erfolgreich bei ihrer Bewerbung um ein DAAD-Stipendium begleiten können. Das macht schon Spaß!
Was man in China von der Schule nicht erwarten darf: Pläne für ein Schuljahr im Voraus oder auch nur genau zu wissen, was heute Nachmittag noch so anliegt. Wenn wir ausländischen Lehrer an einer Schule ankamen und kurz vor der Stunde erfuhren, dass eine andere Aktivität stattfindet, sagten wir nur "That's China!" und überlegten kurz, was zu tun ist!

Markttreiben in Haikou auf der Insel Hainan ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Großes Backen in der Küche der Primary School für die gemeinsame Weihnachtsfeier aller Jahrgänge ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Mittagsruhe auf Chinesisch in "meiner Einkaufstraße" in Jinan ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Natur & Klima & Reisen

China ist ein riesiges Land – Landschaft und Klima unterscheiden sich also! Für uns als Meer-Menschen war es wichtig, dass es in Jinan einen großen und viele kleine Seen, zwei Flüsse (u. a. der Gelbe Fluss) und vor allem ganz viele Quellen und Kanäle gab. Außerdem waren Qingdao und das Chinesische Meer nicht weit weg. Typisch für chinesische Städte sind auch viele und wunderschöne Parkanlagen. Es gibt berühmte Berge bzw. Gebirge zu entdecken, wo sich neben schöner Natur auch atemberaubende Zeugnisse chinesischer Kultur & Religion befinden, natürlich Teeplantagen, aber auch Steppe und Wüste. Man kann im Winter im Norden riesige Eis-Skulpturen bewundern oder auf Hainan bei Sommerwetter den Winter vergessen! Ich konnte mich in Jinan nicht am Frühling satt sehen... ein Meer von blühenden Bäumen und Sträuchern. Von April bis Oktober war es für mich Sommer. Im Juni heiß – eigentlich immer über 35 Grad. Den sehr heißen Juli und den regenreichen August verbrachte ich ja zu Hause in Deutschland.

Auch nach fünf Jahren in China gibt es noch viele Orte auf meiner Reise-Liste... Mal sehen, wann ich diese abarbeiten kann. Reisen in China ist im Prinzip sehr einfach. Es gibt ein sehr gut ausgebautes Eisenbahn-Netz. Zwischen etlichen großen Städten verkehren die super schnellen Züge, häufig mehrmals täglich. Zu allen Regionen gibt es auch Flugverbindungen. Der Ticketkauf ist ebenfalls einfach. In den Städten gibt es überall öffentliche Verkehrsmittel. Problematisch wird Reisen nur, wenn die Chinesen selbst Urlaubszeit haben und auf Reisen gehen, denn dann sind Millionen Fahrgäste unterwegs. Diese Stoßzeiten sind um den 1.Oktober herum, dem chinesischen Nationalfeiertag, und zum Frühlingsfest im Februar. Hat man da nicht rechtzeitig vorgesorgt, muss man eventuell wie wir mit dem Taxi von Beijing nach Jinan (ca. 500 km) fahren, um das Flugzeug am nächsten Tag zu kriegen! Will man nach Hongkong, Taiwan oder Tibet, gibt es Besonderheiten zu beachten.
Interessant sind aber nicht nur Natur und Kultur. Unbekannt und deshalb spannend war für uns auch der Alltag – in China findet Leben vielfach noch auf der Straße statt: Sport, Singen, Tanzen, Essen, Verkaufen, Kinder-Betreuung...

Eindrucksvolle und wunderschöne Tempel gibt es überall in China – hier im Urlaub auf der Insel Pu Tuo Shan (Provinz Zhejiang) ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Letzter gemeinsamer Ausflug in die Umgebung meiner chinesischen "Heimatstadt" Jinan, bevor wir alle nach Deutschland gehen. Ich zurück zu meiner Familie, die drei Mädchen zum Studium!           ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Das "Tor zur Hölle" oder "Ende der Welt" bei Sanya im Süden der Insel Hainan: einst Verbannungsort, heute bei Touristen beliebt wegen der schönen Sandstrände und einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 26 Grad ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Freunde

Von chinesischen Kolleginnen und ausländischen Freunden habe ich schon geschrieben. Chinesen sind meiner Erfahrung nach sehr neugierig. Deutschland hat einen guten Ruf. Die Jinaner waren bei meinem Eintreffen noch nicht so an Ausländer gewöhnt. Ich wurde in den ersten Jahren ständig gebeten, ob ich mich mit ihnen fotografieren lasse. Viele möchten auch die Handynummer. Daraus wird selten eine Freundschaft. Aber Freundschaften kann man wirklich "auf dem Weg" knüpfen – nach knapp zwei Wochen fand ich "meinen Taxifahrer", der mich all die Jahre pünktlich und sicher befördert hat, ohne Englisch sprechen zu können (typisch deutsch, befanden ein spanischer und französischer Freund). Bei "meiner Blumenfee" kaufte ich nicht nur wöchentlich einen Strauß oder brachte etwas aus Deutschland mit, sie half mir auch beim Zurückschicken meiner Sachen nach Deutschland. „"Meine" Gemüse- bzw. Obsthändler freuten sich immer, wenn ich aus den Sommerferien zurückkam, wenn wir uns unterhielten oder chinesische Kunden sich nach mir erkundigten. Regelmäßig kauften wir gegrilltes Lamm bei einem jungen Mann. Meine (richtige) Freundin Ling lernte ich im Zug kennen. Drei Jahre haben wir – unsere Männer und ihre Tochter - viel Zeit miteinander verbracht, meist hat ihre Tochter gedolmetscht, sonst mussten mein Chinesisch und ihr Englisch reichen.

Wenn ich wieder mal nach China komme, weiß ich, dass ich dort viele Menschen besuchen möchte und immer sicher sein kann, dass ich Hilfe bekomme, wenn ich sie brauche.

Verschiedene "Nationen" feiern einen Hochzeitstag philippinischer Freunde ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Immer wieder schön und spannend: Essen mit chinesischen Freunden ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Pfingstrosenblüte in einem der Parks in Jinan: Schauen, Herumwandern, Riechen, Fotos machen oder auf einer Bank daneben Schach o.a. spielen ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Was mir nicht so gefiel...

An meiner Schule sind ausländische Lehrer zwar sehr willkommen und wichtig für das Image der Schule und genießen auch große Freiheit bezüglich. der Lehr- und Lernmethoden, aber leider gab es eine gewisse Skepsis, Neues auszuprobieren. Damit meine ich nicht den Einsatz neuer Medien – meine chinesischen Kolleginnen brachten ihre Unterrichtsvorbereitungen grundsätzlich auf dem Stick mit. Ich war am Ende etwas enttäuscht, dass meine Begeisterung und auch die Begeisterung meiner Schüler für kommunikative Spiele etc. keine deutlichen Spuren hinterlassen haben.

An meiner Schule sind ausländische Lehrer zwar sehr willkommen und wichtig für das Image der Schule und genießen auch große Freiheit bzgl. der Lehr- und Lernmethoden. Ich finde es außerdem sehr schade, dass es für Absolventen unserer DSD-Schulen in China, die Germanistik studieren wollen, keine Extra-Kurse an der Universität gibt. Das heißt. Schüler mit Deutschkenntnissen auf dem Niveau C1/B2 studieren gemeinsam mit Anfängern. Es gibt zudem Tage, an denen die Luftverschmutzung so stark ist, dass ich mein Apartment nicht verlassen habe, wenn ich nicht arbeiten musste.

Fazit

Ich gehöre eigentlich zu den Menschen, die sagen "Two people are a company, three people are a crowd". Stralsund hat jetzt noch ca. 53.000 Einwohner. Für Jinan gibt es unterschiedliche Angaben zwischen 6 und 9 Millionen! Trotzdem habe ich mich in China sehr wohl gefühlt.
Ich habe auch trotz der Vorgaben, die mit dem DSD-Programm verbunden sind, sehr selbstbestimmt arbeiten können. Vielfältige Wettbewerbe unserer Fachberater sowie durch PASCH bieten den Schülern der DSD-Schulen viele Möglichkeiten, erworbenes Wissen und Können zu zeigen und dafür Wertschätzung zu erfahren. Der Konkurrenzdruck in China mag auch seinen Teil dazu beitragen, aber die meisten meiner Schülerinnen und Schüler waren sehr interessiert und engagiert, deshalb hat mir meine Tätigkeit dort unglaublich Spaß gemacht.

Wenn ich jetzt in Deutschland Mails von Ehemaligen bekomme, in denen sie mir von erfolgreichen Prüfungen, Präsentationen, Projekten oder Praktika an deutschen oder chinesischen Universitäten und Fachhochschulen berichten, erfüllt es mich mit Stolz. Ich habe einen Teil dazu beitragen können, dass sie sich einen Traum erfüllen, dass sie mit Studium und Alltag in Deutschland gut klarkommen, obwohl sie oft noch sehr jung sind und die Familie, die in ihrem Leben einen hohen Stellenwert hat, sehr weit weg ist. Mein Einsatz wurde von meinen Schülerinnen und Schülern sowie meiner Schule sehr wertgeschätzt. Das erlebt man in Deutschland nicht in diesem Ausmaß.

Ich habe unglaublich viel Neues erlebt und gelernt und gemerkt, wie lustvoll das sein kann. Ganz neue Horizonte tun sich auf und verändern einen. Schön, dass dies jenseits der 50 möglich ist! Und – es macht viel Spaß, kulturelle Unterschiede zu erleben! Das Andere, Unbekannte einfach zu genießen, ohne Wertung!

Und deshalb – ich würde es immer wieder tun!

Barbara Damboldt

Wandern an Felswänden entlang im Song Shan Gebirge oberhalb des Shao Lin Klosters in der Provinz Henan ChinaQuelle: Barbara Damboldt

Ausländische Freunde sind gern gesehene Gäste bei Hochzeiten, gemeinsam mit 300, 400, 500 anderen Gästen ChinaQuelle: Barbara Dambold

Ein Straßenkünstler in Kunming (Provinz Yunnan) ChinaQuelle: Barbara Damboldt