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Außenminister eröffnet Konferenz der Schulleiter Deutscher Auslandsschulen und zeichnet vier innovative Projekte zur Inklusion aus

Datum 07.01.2016

Am 6. Januar eröffnete Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen, die jährliche Konferenz der Schulleiterinnen und Schulleiter Deutscher Auslandsschulen.

An weltweit 140 Deutschen Auslandsschulen werden rund 82.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, unter ihnen 62.000 nichtdeutscher Herkunft. Es geht dabei um mehr als Sprachvermittlung: Die Deutschen Auslandsschulen sind Orte des interkulturellen Lernens, der Begegnung und des Dialogs. Um diesen wichtigen Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu stärken, hat der Deutsche Bundestag für 2016 zusätzlich 22 Millionen Euro bewilligt. Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen, sieht darin eine bedeutende Stärkung der Attraktivität des Auslandsschuldienstes: "Die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie die Lehrkräfte sind die Garanten für Qualität an den Deutschen Auslandsschulen. Die im Ausland gesammelten interkulturellen Erfahrungen können diese nach ihrer Rückkehr gewinnbringend einsetzen. Es freut mich, dass durch die zusätzlichen Mittel vor allem die seit längerer Zeit stagnierende Gehaltsstruktur der Lehrkräfte verbessert werden kann."

Mit den zusätzlichen Haushaltsmitteln soll auch der Bereich "Inklusion" gestärkt werden. Bei der inklusiven Beschulung geht es um die Wertschätzung von Vielfalt. Der Ansatz fördert damit nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch eine individuelle Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler.

Inklusionspreis des Auswärtigen Amts

Außenminister Steinmeier eröffnet die Schulleitertagung Schulleitertagung 2016Quelle: ZfA / Dirk Enters

Die besten Konzepte und Projekte werden zum zweiten Mal mit dem Inklusionspreis des Auswärtigen Amts "DAS – Gemeinsam leben und lernen – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen" ausgezeichnet. Dabei werden konkrete inklusive Unterrichtsprojekte prämiert. Drei Preise und ein Sonderpreis wurden von Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, und Staatsministerin Maria Böhmer verliehen.

Ulla Schmidt, Schirmherrin des Wettbewerbs, freut sich, dass nun schon zum zweiten Mal sehr spannende und engagierte Projekte eingereicht wurden: "Eine der Schulen beschrieb Inklusion als einen gelebten und lebendigen Prozess, der persönliche Kompetenzen fördert und soziales Zusammenleben und gegenseitigen Respekt tagein, tagaus zur Realität werden lässt – es wäre mein großer Wunsch, diesen Prozess in allen unseren Schulen im Ausland zu stärken."

Wolf Schwerdtfeger, Vizepräsident des Bundesverwaltungsamtes, betont: "Mit Blick auf den heute zu verleihenden Inklusionspreis des Auswärtigen Amts für besonders gelungene Inklusionsprojekte an Deutschen Auslandsschulen kann ich sagen: Mit den interkulturellen Erfahrungen, welche die rückkehrenden Lehrkräfte im Inland einbringen können, wird ebenfalls ein Beitrag zur sozialen Inklusion von Flüchtlingen und Migranten geleistet".

Der erste Preis in Höhe von 10.000 Euro geht an die Europa-Schule in Kairo. Schulleiterin Dagmar Weber freut sich über den Preis und sieht diese Auszeichnung als Bestätigung ihrer Bemühungen: "Jeder Schüler ist einzigartig, in seiner Persönlichkeit, mit seinen Fähigkeiten, mit all seinen Unterschieden. So verschieden wir sind, so können wir auch miteinander lernen. Unser Bewusstsein wird geschult, unsere Offenheit und unsere Toleranz".

Der zweite Preis in Höhe von 5.000 Euro wird an die Deutsche Schule in Santiago de Chile verliehen. "Unsere Idee war es, ein Projekt zu entwickeln, das die ganze Klasse beteiligt, in Hinblick auf ihre Mitglieder und ihre Gesamtheit. Das Projekt „Grenzenlos“ beschreibt Handlungsfelder aus Schülersicht", so Dr. Markus Stobrawe, Schulleiter des Colegio Alemán Santiago de Chile.

Der dritte Preis in Höhe von 2.500 Euro geht an die Deutsche Schule Buenos Aires. "Das Besondere an dem Projekt ist sicher, dass sich die unmittelbar Beteiligten um alles gekümmert haben, nicht etwa bezahlte Extra-Lehrkräfte oder Schulpsychologen. Damit ist bewiesen, dass Inklusion gelingen kann, wenn eine starke Gemeinschaft mit solidarischem Denkansatz die Sache in die Hand nimmt und nicht darauf wartet, bis derartige Projekte von außen forciert, finanziert und durchgerechnet werden", betonte Andreas Grüderich, Gesamtschulleiter Instituto Ballester Deutsche Schule in Buenos Aires.

Die Preisverleihung fand im Rahmen des Jahrestreffens der Leiterinnen und Leiter der 140 Deutschen Auslandsschulen statt. Eingeladen hatte das Auswärtige Amt gemeinsam mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen des Bundesverwaltungsamtes.

Deutsche Auslandsschulen leisten in 71 Ländern der Welt ambitionierte Arbeit. 140 Schulen sind es inzwischen auf allen Kontinenten, an denen 81.800 Schülerinnen und Schüler, unter ihnen 61.000 Nichtdeutsche, unterrichtet werden. Hinzu kommen rund 1.100 Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz weltweit anbieten, mit derzeit über 350.000 jungen Deutschlernern.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes betreut im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder die Deutschen Auslandsschulen und Sprachdiplomschulen in finanzieller, personeller und pädagogischer Hinsicht.

Wolf Schwerdtfeger, Vizepräsident des Bundesverwaltungsamtes Schulleitertagung 2016Quelle: ZfA / Dirk Enters

Preisträger des Wettbewerbs "DAS – Gemeinsam lernen und leben – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen"

1. Preis (dotiert mit 10.000 Euro): Europa-Schule Kairo "ANDERS SEIN"

Die Gewinner des Inklusionspreises der Europa-Schule Kairo, mit Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (2.v.r.) und Staatsministerin Maria Böhmer (links) Schulleitertagung 2016Quelle: ZfA / Dirk Enters

Die Europa-Schule in Kairo wurde 1998 gegründet und ist eine Deutsche Auslandsschule mit deutschen Erziehungsstilen, Bildungsplänen und überwiegend deutschem Lehrpersonal in einem arabischen Land mit einem Anteil von über 90 % ägyptischen Schülern. Das Thema Inklusion wurde bisher in baulichen Maßnahmen (Barrierefreiheit), Etablierung von Diagnose- und Förderinstrumenten für Lernstörungen und der vermehrten Einstellung von Assistenzlehrkräften umgesetzt. Das war den Bund-Länder-Inspektoren nicht genug und auch die Schule wollte sich weiterentwickeln. So kam es zur Idee, ein Projekt zum Thema "Anders sein" ins Leben zu rufen. Das Projekt hatte zum Ziel, Achtsamkeit und Sensibilisierung gegenüber anderen zu entwickeln. Verschiedene Beeinträchtigungen sollten selbst erfahren werden. Die Grundidee bestand in der Förderung von Toleranz durch Perspektivwechsel. Die Schülerinnen und Schüler sollten unterschiedliche Beeinträchtigungen (Körperliche Behinderungen, Sehstörungen, Konzentrations- und Lernstörungen sowie Sprachstörungen) in nachgespielten Situationen erfahren und anschließend reflektieren. Im Nachgang zeigte sich, dass die beteiligten Kinder ihr Verhalten gegenüber anderen Kindern verändert haben und die Teilhabe aller mit einem größeren Selbstverständnis und mehr Anerkennung der individuellen Stärken stattfindet.
Klassenstufe 6

2. Preis (dotiert mit 5.000 Euro): Colegio Alemán Santiago de Chile "GRENZENLOS"

Den zweiten Platz im Wettbewerb belegte die Deutsche Schule Santiago de Chile mit ihrem Projekt "Grenzenlos" Schulleitertagung 2016Quelle: Deutsche Schule Santiago de Chile

Die Deutsche Schule Santiago de Chile setzte sich zum Ziel, die bereits vorhandenen Initiativen und Maßnahmen grundlegend zu strukturieren. Die Projektgruppe "Inklusion" besteht aus Lehrer/innen, Erzieher/innen, Sonderpädagog/innen, Psycholog/innen und Psychopädagog/innen. Aber um das Thema nachhaltig umzusetzen, wurden die Schülerinnen und Schüler intensiv beteiligt. Das Projekt "Grenzenlos" sollte einerseits die Persönlichkeitsbildung unterstützen: Durch Rollenspiele und Übungen nahmen die Jugendlichen verschiedene Perspektiven ein, lernten sich selbst besser zu reflektieren und erweiterten ihr soziales Kompetenzspektrum. Dieser Prozess wurde durch die Vermittlung von Fachwissen ergänzt. Des Weiteren wurde der Ist-Zustand erhoben, um neue Potentiale zu erkennen und zu fördern. Die Rollenspiele zielten sowohl auf die individuelle Erkenntnis, als auch auf die Wahrnehmung von Gruppenprozessen, indem bestimmte Aufgaben individuell oder im Team gelöst werden sollten. Die Bilanz fiel sehr positiv aus. Die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren, sich als Klasse in der Diversität wahrzunehmen, eigene Bedürfnisse und die anderer zu erkennen und sich gegenseitig zu unterstützen, wurde erfolgreich erfüllt. Die gemeinsam geschaffene Vision bedeutet, sich nicht erst mit Fragen der Vielfältigkeit zu befassen, wenn konkreter Bedarf besteht, sondern die allgegenwärtige Vielfalt der Schulgemeinschaft zum Anlass zu nehmen. Zudem soll eine Umgebung geschaffen werden, in der sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen, entwickeln und ihren individuellen Platz finden. Inklusion wird übersetzt und umgesetzt - für eine Schule in der Leben und Lernen für alle möglich wird.
Klassenstufe 9- 10

3. Preis (dotiert mit 2.500 Euro): Instituto Ballester Deutsche Schule Buenos Aires "C.A.S."

Den dritten Platz im Wettbewerb belegte die Deutsche Schule Buenos Aires mit ihrem Projekt "Creatividad, Acción, Servicio" Schulleitertagung 2016Quelle: ZfA / Dirk Enters

Das Instituto Ballester, Deutsche Schule in Buenos Aires, stand zu Beginn des Jahres vor der Herausforderung, Inklusionsansätze für einen sehbehinderten Schüler in die bestehenden Unterrichtsstrukturen zu integrieren. Der Schüler benötigt digitalisierte Lern-materialien, um am Unterricht angemessen teilhaben zu können. Nicht alle Materialien gab es auf dem Markt zu erwerben, d.h. die Schule musste die Unterlagen selbst aufbereiten. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die für den Unterricht notwendigen Materialien zu digitalisieren. Dies konnte im Rahmen des Programms "Creatividad, Acción, Servicio" (C.A.S.) (übersetzt Kreativität, Aktivität, Einsatz) realisiert werden. Hierbei handelt es sich um frei wählbare Projektarbeit, die mit zwei Wochenstunden fester Bestandteil des Lehrplans des "International Baccalaureate Diploma" verankert ist. Insgesamt 16 Schülerinnen und Schüler haben im Rahmen ihrer wöchentlichen Treffen Schulmaterialien für den Schüler gescannt, aufbereitet und entworfen. In enger Abstimmung mit dem Schüler und seinen Lehrkräften konnte unter Anleitung eines Spezialisten für Sehbehinderungen Material geschaffen werden, das allen Kindern viel Freude bereitete. Dem Schüler konnte individuell geholfen werden, der Solidaritätsgedanke wurde gelebt und die Projektgruppe hatte neben dem intensiven Lerntransfer ein großes Erfolgserlebnis. Die bearbeiteten Materialien werden in der Praxis genutzt und der individuelle Einsatz wird sehr wertgeschätzt.
Klassenstufe 10-12

Sonderpreis: Escola Alemã Corcovado – Deutsche Schule Rio de Janeiro

Die 1.300 Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Rio de Janeiro können zwischen einem deutschen und einem brasilianischen Ausbildungszweig wählen. Das Thema Inklusion ist fest als Teil der Schulkultur verankert. Die gesamte Schulgemeinschaft einschließlich der Eltern befasst sich aktiv mit dem Thema, und es gibt eine offene Kommunikation zu strittigen Fragen. Auf Früherkennung legt die Schule mit ihrem Inklusionsmodell höchstes Augenmerk.