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Verständnis für das "Anderssein" durch Rollentausch

Datum 22.01.2016

Den 1. Platz des Wettbewerbs "DAS – Gemeinsam lernen und leben – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen" des Auswärtigen Amts belegte die Europa-Schule Kairo (ESK). Die zehn besten Schulen werden in den nächsten Wochen hier vorgestellt.

Erfolgreiche Inklusion im Schulalltag – sowohl für die Lehrerinnen und Lehrer als auch für die Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse an der ESK war das eine Herausforderung. Auch für die beiden Mitschülerinnen mit Behinderung: Ein Mädchen ist motorisch, das andere geistig stark beeinträchtigt. Ungeduld bei den Mitschülern und die Befürchtung einiger Eltern, das Lernniveau der Klasse könnte beeinträchtigt werden, kamen immer wieder auf. Darum organisierte die Klassenlehrerin Sarah Dittmann einen Projekttag im Frühjahr 2015. Das Ziel: die gegenseitige Toleranz durch einen Perspektivwechsel zu stärken.

Praktische Selbsterfahrung am Projekttag

Unter dem Motto "Anderssein" durchliefen die Schüler ohne Beeinträchtigung verschiedene Stationen. Die Lehrer und die Kinder mit besonderem Förderbedarf standen dort als Experten bereit. An diesen Stationen wurden die Themen körperliche Behinderung, Seh- und Sprachstörungen sowie Konzentrations- und Lernstörungen behandelt: So mussten beispielsweise Schwellen mit dem Rollstuhl überquert oder bei lauter Musik Gedichte auswendig gelernt werden. "Die Schüler zeigten Offenheit und waren mit vollem Einsatz dabei. Durch aktives Handeln konnten die Schüler vorübergehend selbst erfahren, was es heißt beeinträchtigt zu sein", resümiert Lehrerin Sarah Dittmann. Die Scheu, Fragen im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu stellen, war an diesem Tag fast weg.

Vom Außenseiter zum Repräsentanten

Jaidaa gehört zu den Mädchen mit Einschränkung in der InklusionsklasseQuelle: Europa-Schule Kairo

Das Projekt hat Wirkung gezeigt. Bei der Wahl zum neuen Klassensprecher bewarb sich auch eines der behinderten Mädchen um das Amt – und ist von ihren Mitschülern gewählt worden. Ihre ausgeprägten fachlichen Deutschkenntnisse und ihr guter Kontakt zu den Lehrern überwogen gegenüber ihren eingeschränkten motorischen Fähigkeiten. In der Klasse wird sie für diese Kompetenzen geschätzt. Gerne helfen ihre Mitschüler ihr beim Tragen den Tasche, denn sie wissen, "dass sie auch für uns da ist – jetzt erst recht!"

Die Europa-Schule in Kairo

An der ESK ist das Thema Inklusion sehr wichtig. Der Fokus liegt auf der Herstellung von Gemeinschaft und Zugehörigkeitsgefühl. Bauliche Barrieren sind beseitigt und Räume umgestaltet worden, Assistenzlehrkräfte wurden für die Betreuung der Kinder mit Einschränkung eingestellt. Auch Instrumente zur Diagnose von besonderem Förderbedarf wurden gestärkt, um Lernstörungen besser einschätzen zu können. Als Schule mit deutschen Erziehungszielen in einem arabischen Land mit rund 90 Prozent arabischen Schülern gleicht die ESK sowohl den Leistungsanspruch der Eltern, als auch den Anspruch an Offenheit und Toleranz gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen aus.

Die Europa-Schule in Kairo (ESK) gehört zu den 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Hier finden Sie ein Video zum Projekttag mit dem Titel "Ja und".