Herzlich Willkommen auf der Homepage des Bundesverwaltungsamtes

Schülerinnen und Schüler gestalten Schulalltag ohne Grenzen

Datum 25.01.2016

Den 2. Platz des Wettbewerbs "DAS – Gemeinsam lernen und leben – Inklusion an Deutschen Auslandsschulen" des Auswärtigen Amts 2015 belegte die Deutsche Schule Santiago de Chile mit ihrem Projekt "Grenzenlos".

Wie fühlt es sich an, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist? In Rollenspielen erlebten Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen an der Deutschen Schule Santiago de Chile das Schulleben aus der Perspektive von Mitschülern mit Behinderung. Mit eingeschränkter Sicht, auf Krücken oder im Rollstuhl bewegten sie sich im Rahmen eines mehrtägigen Unterrichtsprojekts auf dem Schulgelände. Neben körperlichen Behinderungen wurden auch eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und ein Aufmerksamkeitsdefizit simuliert. Im Anschluss reflektierten die Jugendlichen ihre Erfahrungen und überlegten, wie der Schulalltag ohne Barrieren gestaltet werden kann.

Inklusion auch in der Schulpause

Die Schülerinnen und Schüler spielen bei der Umsetzung von Inklusion eine wichtige Rolle, ist man an der DS Santiago de Chile überzeugt: "Die Schüler sind es, die im Schulalltag Inklusion umsetzen – ob im Unterricht, in den Pausen oder bei Klassenfahrten. Sie müssen sensibilisiert und aktiv am Inklusionsprozess beteiligt werden." Aufgrund der positiven Resonanz soll das Projekt in anderen Klassen wiederholt werden. Nicht nur für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gruppe, auch für die übrige Schulgemeinschaft hatte das Projekt Signalwirkung: Das Rollenspiel sorgte auf dem Schulhof für Aufmerksamkeit und die Schüler dokumentierten das Projekt in Bild, Text und Ton.

Auf dem Weg zur inklusiven Schule ist die DS Santiago de Chile schon fortgeschritten. Ein Team von pädagogischen und psychologischen Fachkräften stellt besondere Förderbedarfe fest und bietet individuelle Hilfen an. Bei Bedarf ziehen sie externe Expertinnen und Experten hinzu. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler werden je nach Bedarf differenziert bewertet und Nachteilsausgleiche ermöglicht. Für Schulleiter Dr. Markus Stobrawe bedeutet Inklusion mehr als die Hilfe im Einzelfall: "Unser Ziel ist es, den Inklusionsprozess grundlegend zu strukturieren und aus einzelnen Bemühungen Standards zu entwickeln."

Von der Vielfalt lernen

Derzeit erarbeitet die Schule ein Inklusionskonzept, das alle Mitglieder der Schulgemeinschaft für die Arbeit mit erhöhtem oder sonderpädagogischen Förderbedarf handlungsfähig machen soll – vom Kindergarten bis zum Abiturjahrgang. Die Schule möchte damit ihre inklusive Entwicklung vorantreiben: "Wir wollen uns nicht erst mit Fragen der Inklusion befassen, wenn konkreter Bedarf besteht, sondern die allgegenwärtige Vielfalt der Schulgemeinschaft zum Anlass nehmen. Für eine Schule, in der Leben und Lernen für alle möglich wird."

Die Deutsche Schule Santiago de Chile gehört zu den 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Hier finden Sie den Film zum Projekt "Grenzenlos".