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Hinterm Horizont ist manchmal schon Usbekistan

Datum 27.01.2015

Als ZfA-Fachberater Sven Schröder im Frühjahr 2014 im über 5.000 km entfernten Taschkent seinem DSD-Abschlusskurs vom Musical "Hinterm Horizont" erzählte, entfachte er einen Funken, der zur Teilnahme am Schüler-Wettbewerb des Berliner Stage Theaters "Mauern einreißen" führen sollte. Auch wenn es am 13. Januar keinen Preis für die Schüler gab, gewonnen haben sie trotzdem!

Musical-Gruppe des Lyzeums Nr. 2 bei der Weltsprachenuniversität in TaschkentQuelle: Sven Schröder

2014: 25. Jubiläum des Mauerfalls. Doch wie begeistert man 18-jährige aus dem fernen Usbekistan von der jüngeren Geschichte Deutschlands, insbesondere der Wiedervereinigung von Ost und West? Vor diesem Problem stand Sven Schröder, Fachberater der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im letzten Frühjahr. Eher beiläufig erwähnte er in seinem DSD-Abschlusskurs des 2. Akademischen Lyzeums in Taschkent das deutsche Musical "Hinterm Horizont", welches anhand von Liedern des Sängers Udo Lindenberg eine Liebesgeschichte erzählt.

"Irgendwo zwischen "Mädchen aus Ostberlin" und "Mein Ding" sprang der Funke über und meine Schülerinnen und Schüler fragten mich: "Können wir so etwas nicht auch machen?" ", berichtet Schröder. Können sie, konnten sie, machten sie.

"Grenzenlos"

Im Mai 2014 erstellten die Schüler eine grobe Planung des Projekts. Auch sie wollten ein Musical erschaffen. Doch sollte es kein bloßer "Abklatsch" des Berliner Originals sein, sondern ein eigenständiges Stück. 16 Schülerinnen und Schüler schrieben und planten, organisierten und realisierten ein eigenständiges Drehbuch, alles ausschließlich außerhalb des Deutschunterrichts. "Grenzenlos" sollte es heißen und die Geschichte von Nicole und Tom Neuer erzählen, er aus Westberlin, sie aus Pankow.

Über die Sommerferien wurde weiterhin mit viel Eifer an dem Stück gearbeitet. Dank Unterstützung der Deutschen Botschaft Taschkent konnte professioneller Gesangsunterricht organisiert werden. "Im September bekamen wir außerdem fachliche Unterstützung von Jutta Behnen, einer Theaterpädagogin, die auf Initiative der Deutschen Botschaft gerade zur Vorbereitung des traditionellen Theaterfestivals der deutschen Minderheit in Usbekistan unterwegs war. In einem Workshop erhielten die Musicalteilnehmer zahlreiche Tipps zur schauspielerischen Umsetzung des Drehbuchs, zur Verwendung von Mimik und Gestik, aber auch zum effektiven Einsatz der Stimme", erzählt Fachberater Schröder.

Sofiya Kamishanova und Elizabet Osipyan bei der Aufführung von "Grenzenlos" in der Deutschen Botschaft TaschkentQuelle: Sven Schröder

Der Premiere am 6. Oktober an der Schule 60 in Taschkent stand nichts mehr im Wege. Die Aula war komplett gefüllt, die Vorstellung ein großer Erfolg. Am 11. Oktober gab es eine zweite Vorführung am eigenen Lyzeum, dem Akademischen Lyzeum Nr. 2 bei der Weltsprachenuniversität. Die von der Musical-Truppe am meisten herbeigesehnte Vorstellung folgte schließlich am 31. Oktober an der Deutschen Botschaft.

"Mauern einreißen"

Melanie Moltmann, Kulturreferentin der Deutschen Botschaft, machte die Musical-Gruppe auf den Schüler-Wettbewerb des Berliner Stage Theaters "Mauern einreißen" unter Schirmherrschaft von Udo Lindenberg aufmerksam. Insgesamt über hundert Projekte wurden eingereicht. Auch wenn das Musical der DSD-Schüler aus Taschkent bei der Preisverleihung am 13. Januar keinen der ersten drei Plätze erreichte, gewonnen haben die Schüler trotzdem. "Der kurzen Enttäuschung, nicht unter den ersten Dreien zu sein, folgte schon bald die Zufriedenheit mit dem tatsächlich Erreichten", berichtet Fachberater Schröder. "Und das beschränkt sich durchaus nicht nur auf die Sonderurkunde und die namentliche Erwähnung des eingereichten Beitrags aus Usbekistan. Die vielen Stunden, die man im Vorfeld im Team gearbeitet hat, der Spaß bei dieser Arbeit und schließlich ein faszinierendes Schülermusical als Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen – das sind die eigentlichen Resultate."

Und was bleibt vom Projekt "Musical"? "Es ist gelungen, die Jugendlichen altersgerecht mit einem bedeutungsvollen Thema deutscher Geschichte zu konfrontieren. Aber besonders schön ist die Beobachtung, dass "Grenzenlos" die Schülerinnen und Schüler, aus denen ja bereits in wenigen Monaten Studentinnen und Studenten werden sollen, reifer, selbstbewusster und mutiger gemacht hat. Und: Alle Beteiligten hatte eine Menge Spaß", so Schröders Fazit.