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Duale Ausbildung als Zukunftschance

Datum 21.01.2015

Platz 2 des Wettbewerbs "Beruf macht Schule" des Auswärtigen Amts gewann das Loyola-Gymnasiums Prizren im Kosovo mit seiner "Ausbildungsinitiative".

Warum sollte ich eine Ausbildung machen, wenn ich doch auch zur Uni gehen kann? Mit dieser Frage sahen sich Lehrkräfte und Beschäftigte des Loyola-Gymnasiums Prizren im Kosovo zu Beginn ihrer "Ausbildungsinitiative" häufig konfrontiert. Schließlich hatten viele Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern das private Gymnasium, das das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz anbietet, gerade deshalb ausgewählt, weil sie sich von der Schule mit den besten Absolventen des Landes die optimale Vorbereitung auf ein Studium erwarteten.

Mittlerweile sind viele der jungen Kosovaren überzeugt, dass eine duale Ausbildung in Deutschland ihnen gute Zukunftschancen sichert. Denn während im Kosovo jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, suchen deutsche Unternehmen dringend Arbeitskräfte – vorzugsweise mit Deutschkenntnissen. Das mit zehn Jahren noch junge Loyola-Gymnasium hat sich von Anfang an um Kontakte zu solchen Unternehmen bemüht und im Schuljahr 2008/2009 in Zusammenarbeit mit westfälischen Betrieben eine Initiative gestartet, die kosovarische Schulabgängerinnen und Schulabgänger auf Ausbildungsplätze in Deutschland vermittelt. Für ihr Engagement in der beruflichen Bildung wurde die Schule im Januar 2015 mit dem mit 5.000 Euro dotierten zweiten Preis beim Wettbewerb "Beruf macht Schule" des Auswärtigen Amts ausgezeichnet.

Nachfrage nimmt zu

"Arian Shala war der Eisbrecher, der Türöffner", erinnert sich Richard Purschwitz, von der ZfA vermittelte Fachschaftsberater für Deutsch im Kosovo. Der Schüler war 2010 der erste, der das Angebot der Firma Haver & Boecker in Oelde/Westfalen annahm und eine Ausbildung zum Mechatroniker begann. Seither ist die Nachfrage nicht nur seitens der Schüler, sondern auch seitens der Betriebe in der Region stetig gestiegen. In den vergangenen fünf Jahren haben 45 Absolventen des Loyola-Gymnasiums eine Ausbildung in westfälischen Firmen begonnen. Einmal im Jahr können sich die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klassen für ein zweiwöchiges Praktikum bewerben, das im Idealfall zu einem Ausbildungsvertrag führt. Industriemechaniker und IT-Kaufleute, Bankkauffrauen, Krankenpfleger und Zahnarzthelferinnen sind unter den Auszubildenden. Besonders Begabte können nebenbei ein duales Studium absolvieren, das zum Bachelor-Abschluss führt.

Um das Projekt zu verwirklichen, hatten die Beteiligten zunächst einige bürokratische Hürden zu überwinden. Für die kosovarischen Schulabgängerinnen und Schulabgänger mussten Visa beschafft werden und die aufnehmenden Betriebe mussten nachweisen, dass ihr Bedarf an Auszubildenden nicht durch Deutsche oder EU-Bürger gedeckt werden kann. Doch der Aufwand hat sich für beide Seiten gelohnt, finden alle Beteiligten. "Die Ausbildungsinitiative ermöglicht den Schülern eine Verbindung zwischen Praxis und Theorie", so eine Schülerin bei der Preisverleihung in Berlin. "So eine Möglichkeit hätten sie im Kosovo nicht bekommen."

Gute Zukunftsaussichten

Ob Übernahme in einen deutschen Betrieb, Studium in Deutschland oder möglicherweise eine Betriebsgründung im Kosovo: "Was auch immer die ehemaligen Loyola-Schüler nach ihrer Ausbildung tun werden: Ihre Zukunft wird chancenreicher sein, als sie es ohne diese Ausbildung gewesen wäre", ist Fachschaftsberater Purschwitz überzeugt.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes betreut im Auftrag des Auswärtigen Amtes und unter Mitwirkung der Länder die mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen und die rund 1.100 Sprachdiplomschulen personell, finanziell und pädagogisch. Neben den allgemeinbildenden Schulen, an denen Projekte zur Berufs- und Studienorientierung angeboten werden, betreut die ZfA acht Berufsbildungszentren und drei Fachoberschulen an Deutschen Auslandsschulen, sowie zwei selbstständige Berufsschulen. Alle Standorte und Best-Practice-Beispiele finden Sie unter www.auslandsschulwesen.de/berufliche_Bildung.