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Deutsche Schule Rio de Janeiro: Begegnungsschule mit Modellcharakter

Datum 21.01.2015

Den 1. Platz des Wettbewerbs "DAS – Gemeinsam lernen und leben. Inklusion an Deutschen Auslandsschulen" gewann die Deutsche Schule Rio de Janeiro (DS Rio). Rund 20 Deutsche Auslandsschulen hatten sich am Wettbewerb des Auswärtigen Amts beteiligt. Die zehn Besten werden in den nächsten Wochen hier vorgestellt.

Der dunkelhaarige Junge im Deutschlandtrikot steht selbstbewusst auf dem Fußballfeld, aufmerksam verfolgt er das flinke Treiben inmitten seiner Freunde. Er ist Teil der Mannschaft und dass er einen Gehwagen zur Hilfe nimmt, scheint seinem Ehrgeiz keinesfalls zu schaden. Octavio ist einer von knapp 1.400 Schülerinnen und Schülern der DS Rio. Er kam als erstes "Inklusionskind" vor fünf Jahren in den Kindergarten.

An der Begegnungsschule wurden zwar bis dato auch Schülerinnen und Schüler mit besonderen Lernbedürfnissen wie Legasthenie oder Aufmerksamkeitsdefiziten beschult, eine sonderpädagogische Ausrichtung mit Blick auf inklusiven Unterricht musste jedoch noch geschaffen werden. Nicht nur bauliche Veränderungen am Gebäude waren eine Hürde, die es für die Schule zu meistern gab, vor allem waren curriculare Anpassungen nötig, um Octavio und anderen Kindern mit besonderen Anforderungen gerecht zu werden.

Ganzheitliches Konzept der Inklusion

Im Jahr 2013 wurde an der DS Rio der Inklusionssektor mit dem Ziel gegründet, die individuelle Beschulung von Kindern mit besonderem Förderbedarf zu unterstützen. Seitdem koordinieren drei Lehrkräfte die Arbeit und bieten neben außerschulischen Weiterbildungen für Erzieher und Lehrer auch direkte Beratungen zu Lehrplänen und Evaluationsverfahren an. Zusätzlich werden sonderpädagogische Fachkräfte eingesetzt und individualisierte, an die Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler angepasste Unterrichtsmaterialien erarbeitet.

Mittlerweile ist das Thema Inklusion als Teil der Schulkultur fest verankert. Die Auszeichnung des Auswärtigem Amts ist für Schulleiterin Sybille Rohrmann ein wichtiges Signal: "Den Preis empfinden wir als Anerkennung für den Weg, den wir eingeschlagen haben. Im Bundesstaat Rio de Janeiro hat unsere Schule inzwischen Modellcharakter."

Integrativen Prozess gemeinsam gestalten

Pedro, Schüler der 2. Klasse des brasilianischen Zweigs der Deutschen Schule Rio de JaneiroQuelle: Deutsche Schule Rio de Janeiro

Pedro ist seit 2010 an der Deutschen Schule Rio. Aufgrund einer Wahrnehmungsstörung des Gehirns fiel es dem heute Achtjährigen in den ersten Monaten schwer, sich in der großen Einrichtung zu orientieren. Dies hat sich grundlegend geändert. Gemeinsam mit den Mitschülern wird dafür gesorgt, dass der Junge mit Asperger-Syndrom seinen Schul-alltag organisiert bekommt. Die Erzieher nahmen an neurowissenschaftlichen Schulungen teil und tauschten sich untereinander über die Erfahrungen im Umgang mit Pedro aus. Eine sonderpädagogische Lehrkraft steht ihm bis heute zur Seite.

Über interne Schulungen des Kollegiums hinaus spielt zudem der stetige Austausch mit außerschulischen Therapeuten und den Eltern eine wesentliche Rolle. Die Erziehungsberechtigten werden als Akteure einer inklusiven Schulkultur verstanden, ohne deren aktive Beteiligung der Lernprozess der Kinder nicht gelingen kann. Das ganzheitliche Konzept der Auslandsschule erzielt zudem in Umfragen aus den letzten Jahren eine durchweg positive Bewertung. Sowohl die Mitschüler als auch die Eltern bescheinigen den Maßnahmen eine Bestnote. "Ich habe, seitdem Octavio die Deutsche Schule besucht, Zukunftsträume für meinen Sohn", so sein begeisterter Vater.

Die Deutsche Schule Rio de Janeiro gehört zu den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.