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Pro­ve­ni­enz­for­schung zum Kunst­be­sitz des Bun­des

Der deut­sche Staat ver­pflich­tet sich, NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ne Kul­tur­gü­ter im Be­reich der öf­fent­li­chen Hand in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu su­chen und an die Be­rech­tig­ten zu­rück­zu­ge­ben. Grund­la­gen da­für sind die Er­klä­rung der Wa­shing­to­ner Kon­fe­renz über Ver­mö­gens­wer­te aus der Zeit des Ho­lo­caust vom De­zem­ber 1998 und die Ge­mein­sa­men Er­klä­rung der Bun­des­re­gie­rung, der Län­der und der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de vom De­zem­ber 1999 zur Auf­fin­dung und Rück­ga­be NS-ver­fol­gungs­be­dingt ent­zo­ge­ner Kul­tur­gü­ter, ins­be­son­de­re aus jü­di­schem Be­sitz.


Im Res­sort­ver­mö­gen der Bun­des­fi­nanz­ver­wal­tung be­fin­den sich noch heu­te rund 3.000 Ge­mäl­de, Gra­phi­ken, Skulp­tu­ren, kunst­ge­werb­li­che Ge­gen­stän­de und zu­sätz­lich 10.000 Mün­zen und Bü­cher aus frü­he­rem Reichs­be­sitz und pri­va­ten Samm­lun­gen von Ver­tre­tern des NS-Staa­tes. Es han­delt sich hier­bei u.a. um Ge­mäl­de und Gra­fi­ken der nie­der­län­di­schen, deut­schen und ita­lie­ni­schen Schu­len des 17. Jahr­hun­derts bei­spiels­wei­se von Pe­ter Paul Ru­bens, Pie­ter Breu­ghel d.Ä. und d.J. und Tin­to­ret­to. Wer­ke deut­scher und ös­ter­rei­chi­scher Künst­ler des 19. Jahr­hun­derts sind von Franz von Len­bach und Fer­di­nand Ge­org Wald­mül­ler zu er­wäh­nen. Un­ter den kunst­ge­werb­li­chen Ob­jek­ten ragt ei­ne Hoch­zeit­stru­he ei­ner sie­ne­si­schen Ar­beit um 1400 her­aus.


Nach dem En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges wur­den rund ei­ner Mil­li­on Ob­jek­te aus ca. 600 Auf­be­wah­rungs­la­gern von den al­li­ier­ten Streit­kräf­ten auf­ge­fun­den und in ver­schie­de­nen Kunst­sam­mel­la­gern, den Cen­tral Col­lec­ting Points, in­ven­ta­ri­siert, fo­to­gra­fiert und kunst­his­to­risch be­wer­tet. Nach der Über­prü­fung ih­rer Pro­ve­ni­enz wur­de be­reits im Herbst 1945 mit der Rück­ga­be der Ob­jek­te an die Her­kunfts­län­der be­zie­hungs­wei­se an Pri­vat­per­so­nen im In­land be­gon­nen.
An­fang 1963 wur­den die bis zu die­sem Zeit­punkt noch vor­han­de­nen Kunst­wer­ke von der Treu­hand­ver­wal­tung von Kul­tur­gut an den Bun­des­schatz­mi­nis­ter als so ge­nann­ter „Rest­be­stand CCP“ (Teil­be­stand des ehe­ma­li­gen Cen­tral Col­lec­ting Point in Mün­chen) über­ge­ben. Bis zum 31. Mai 2017 wa­ren nach­ge­ord­ne­te Be­hör­den des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums – die Ober­fi­nanz­di­rek­tio­nen (OFD) Mün­chen und Ber­lin, das Bun­des­amt zur Re­ge­lung of­fe­ner Ver­mö­gens­fra­gen (BA­roV), das Bun­des­amt für zen­tra­le Diens­te und of­fe­ne Ver­mö­gens­fra­gen (BADV) – mit der Ver­wal­tung die­ses Be­stan­des be­traut. Seit dem 1. Ju­ni 2017 über­liegt die­se Auf­ga­be dem Bun­des­ver­wal­tungs­amt (BVA). Der über­wie­gen­de Teil die­ser zum Teil kunst­his­to­risch au­ßer­or­dent­lich wert­vol­len Wer­ke be­fin­det sich seit der Mit­te der 1960er Jah­re als Dau­er­leih­ga­ben der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in in­zwi­schen 220 deut­schen Mu­se­en.
Nach Ver­ab­schie­dung der Wa­shing­to­ner und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung wur­de ei­ne er­neu­te sys­te­ma­ti­sche Un­ter­su­chung des Be­stan­des ein­ge­lei­tet. Die­se Auf­ga­be wird eben­falls vom Bun­des­ver­wal­tungs­amt seit dem 1. Ju­ni 2017, Re­fe­rat ZMV I 9, wahr­ge­nom­men.


Nach­dem die Bun­des­re­pu­blik ih­rer Ver­pflich­tung zur Of­fen­le­gung der Be­stän­de an Kunst- und Kul­tur­gü­tern mit frag­li­cher Her­kunft durch die Ver­öf­fent­li­chung in der Lost Art In­ter­net Da­ta­ba­se er­füllt hat­te, folg­te mit der Rea­li­sie­rung der On­line-Da­ten­bank Pro­ve­ni­enz­do­ku­men­ta­ti­on am 1. Au­gust 2007 ein wei­te­rer Schritt, der das Be­mü­hen um Trans­pa­renz und ei­nen ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit die­ser Kunst­samm­lung un­ter­strei­chen soll. Die sys­te­ma­ti­sche Un­ter­su­chung des Be­stan­des für die Ge­mäl­de, Gra­fi­ken, Skulp­tu­ren und kunst­ge­werb­li­chen Ob­jek­te ist seit En­de 2013 weit­ge­hend ab­ge­schlos­sen. Im dar­auf­fol­gen­den Jahr wur­den die Da­ten­sät­ze zu al­len Kunst­wer­ken in der Da­ten­bank ver­öf­fent­licht. Bis­her wur­den 61 Kunst­wer­ke als „NS-ver­fol­gungs­be­dingt“ ent­zo­gen iden­ti­fi­ziert, von de­nen bis­lang 49 Kunst­wer­ke an die be­rech­tig­ten Er­ben zu­rück­ge­ge­ben wer­den konn­ten. Für ei­ne Viel­zahl der un­ter­such­ten Kunst­wer­ke und Kul­tur­gü­ter konn­te auf­grund feh­len­der Quel­len die Pro­ve­ni­enz nicht mehr voll­stän­dig ge­klärt wer­den. Seit der Ver­öf­fent­li­chung al­ler Kunst­wer­ke im In­ter­net er­hält das zu­stän­di­ge Re­fe­rat je­doch zahl­rei­che Hin­wei­se von Wis­sen­schaft­le­rIn­nen und Bür­ge­rIn­nen zur Auf­klä­rung der Pro­ve­ni­enz, de­nen suk­zes­si­ve nach­ge­gan­gen wer­den. Die­se ak­ti­ve Un­ter­stüt­zung führ­te in­zwi­schen zu wei­te­ren Rück­ga­be­ver­hand­lun­gen mit den Be­rech­tig­ten.


Ak­tu­ell re­cher­chie­ren die Mit­ar­bei­te­rin­nen des zu­stän­di­gen Re­fe­ra­tes nach den Pro­ve­ni­en­zen von Bü­chern und Tep­pi­chen so­wie Ta­pis­se­ri­en aus ehe­ma­li­gem Reichs­be­sitz im Res­sort­ver­mö­gen der Bun­des­fi­nanz­ver­wal­tung. Dar­über hin­aus un­ter­stützt das BVA al­le an­de­ren Be­rei­che der öf­fent­li­chen Hand in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bei de­ren Pro­ve­ni­enz­re­cher­chen.