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Cen­tral Col­lec­ting Point

Da­ten­bank zum Cen­tral Col­lec­ting Point - Mün­chen, ei­ner zen­tra­len Sam­mel­stel­le für auf­ge­fun­de­ne Kunst­wer­ke.

Nur we­ni­ge Mo­na­te nach dem zehn­ten Jah­res­tag der Ver­ab­schie­dung der Wa­shing­to­ner Er­klä­rung (1998) und der Ge­mein­sa­men Er­klä­rung (1999) ist im Ju­ni 2009 die On­li­ne­schal­tung der Da­ten­bank zum Central Collecting Point (CCP) Mün­chen ge­lun­gen (http://www.dhm.de/da­ten­bank/ccp/). Dies ist nach der im Som­mer 2008 im In­ter­net ver­öf­fent­li­chen Da­ten­bank zum "Son­der­auf­trag Linz" ein wei­te­rer be­deu­ten­der Schritt, die Ar­chi­va­li­en der NS-Kul­tur­po­li­tik ei­nem großen Pu­bli­kum zur Ver­fü­gung zu stel­len. Mit der Da­ten­bank er­öff­net sich nun nach mehr als 50 Jah­ren die Mög­lich­keit, auch oh­ne Kennt­nis der Mün­che­ner In­ven­tar­num­mern nach Meis­ter­wer­ken von Leo­nar­do da Vin­ci, Ru­bens oder Cra­nach eben­so wie nach an­ti­ken Skulp­tu­ren, aber auch Bü­chern und Nu­mis­ma­ti­ka zu su­chen, die im Col­lec­ting Point in­ven­ta­ri­siert und re­sti­tu­iert wor­den sind. Die Da­ten­bank ist in Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen dem Deut­schen His­to­ri­schen Mu­se­um (DHM), dem Bun­de­sar­chiv, dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Fi­nan­zen, dem Zu­se-In­sti­tut Ber­lin, dem Zen­trum für In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung und In­for­ma­ti­ons­tech­nik, Dienst­sitz Ber­lin so­wie dem Bun­des­amt für zen­tra­le Diens­te und of­fe­ne Ver­mö­gens­fra­gen (BADV) ent­stan­den. Die Da­ten­bank zum CCP er­mög­licht die Re­cher­che nach Kunst­wer­ken in 125.000 di­gi­ta­li­sier­ten Kar­tei­kar­ten mit den da­zu­ge­hö­ri­gen Fo­to­gra­fi­en.

Ein­ge­rich­tet wur­de der CCP von den US-ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­ten im Ju­ni 1945 in den na­he­zu un­ver­sehr­ten NS­D­AP-Ge­bäu­den am Kö­nigs­platz in Mün­chen. Be­reits in den nächs­ten Wo­chen be­gann der Ab­trans­port der wäh­rend des Krie­ges zwi­schen­ge­la­ger­ten Kunst­wer­ke aus Salz­mi­nen, Berg­wer­ken und Klös­tern in den CCP Mün­chen. Dort wur­den die ein­tref­fen­den Ob­jek­te mit ei­ner Ein­gangs­num­mer (Mu­nich Num­ber) re­gis­triert und fo­to­gra­fiert. Auf der je­weils zum Kunst­werk ge­hö­ren­den Kar­tei­kar­te, der so ge­nann­ten Pro­per­ty Card, wur­den An­ga­ben zum Werk und ei­ne Kurz­be­schrei­bung ver­merkt. Ver­voll­stän­digt wur­den die Da­ten durch den eins­ti­gen La­ger­ort und ers­te Re­cher­chen zur Pro­ve­ni­enz. Um Er­kennt­nis­se zur Her­kunft der ein­zel­nen Wer­ke zu er­lan­gen, wur­den nicht nur Auk­ti­ons- und Aus­stel­lungs­ka­ta­lo­ge der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te kon­sul­tiert, son­dern es wur­den auch zahl­rei­che Kunst­händ­ler im CCP be­fragt, die mit den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ko­ope­riert hat­ten. Un­ter den dort zu in­ven­ta­ri­sie­ren­den Kunst­wer­ken be­fan­den sich sol­che, die für das von Adolf Hit­ler ge­plan­te "Füh­rer­mu­se­um" in Linz be­stimmt wa­ren, so­wie Wer­ke aus der Samm­lung Her­mann Gö­ring, vom Ein­satz­stab Reichs­lei­ter Ro­sen­berg und von aus­ge­la­ger­ten Be­stän­den aus Mu­se­en. Da­bei han­delt es sich hier nicht nur um be­schlag­nahm­tes Ver­mö­gen po­li­tisch oder ras­sisch ver­folg­ter Per­so­nen, son­dern auch um le­ga­le An­käu­fe. Die­se tä­tig­ten die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­ha­ber auf deut­schen und in­ter­na­tio­na­len Kunst­märk­ten, wo­bei ins­be­son­de­re die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten au­ßer­or­dent­lich ho­he Prei­se zahl­ten. Un­ter den im CCP ka­ta­lo­gi­sier­ten Kunst­wer­ken be­fan­den sich Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren, Mo­bi­li­ar, Kunst­hand­werk, Mün­zen, Mu­sik­in­stru­men­te und Bü­cher vom Mit­tel­al­ter bis hin zur da­ma­li­gen Ge­gen­warts­kunst.

Nach­dem der Cen­tral Col­lec­ting Point sei­ne Auf­ga­be auf­ge­nom­men hat­te, wur­de be­reits im Herbst 1945 mit der Rück­über­tra­gung der im CCP in­ven­ta­ri­sier­ten Kunst­wer­ke an die Be­rech­tig­ten be­gon­nen. Dies er­folg­te nach den Grund­sät­zen der in­ne­ren und äu­ße­ren Re­sti­tu­ti­on im Rah­men von Wie­der­gut­ma­chungs­ver­fah­ren durch die ame­ri­ka­ni­sche Mi­li­tär­re­gie­rung. Im Sep­tem­ber 1949 über­ga­ben die Ame­ri­ka­ner die Ver­ant­wor­tung für die Re­sti­tu­ti­on die­ses Be­stan­des an die deut­schen Be­hör­den. Nach­dem die Ver­wal­tung zu­nächst dem Baye­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten und bald dar­auf dem deut­schen Bun­des­kanz­ler über­tra­gen wor­den war, wur­de 1951 ein Son­der­re­fe­rat "Treu­hand­ver­wal­tung von Kul­tur­gut beim Aus­wär­ti­gen Amt" (TVK) ein­ge­rich­tet. Die­ses über­nahm im Fe­bru­ar 1952 die Rest­be­stän­de der ehe­ma­li­gen Col­lec­ting Points in Mün­chen und Wies­ba­den und re­sti­tu­ier­te wei­te­re Kunst­wer­ke. Zehn Jah­re spä­ter kam es zur Auf­lö­sung der TVK. Die bis zu die­sem Zeit­punkt noch ver­blie­be­nen Ob­jek­te wur­den 1963 an den Bun­des­schatz­mi­nis­ter über­tra­gen und seit­her von des­sen nach­ge­ord­ne­ter Be­hör­de - an­fangs war es die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on (OFD) Mün­chen - ver­wal­tet. Hier­bei han­delt es sich um den Rest­be­stand an Kunst aus dem Be­sitz des Deut­schen Rei­ches, der durch die TVK we­der in der in­ne­ren noch in der äu­ße­ren Re­sti­tu­ti­on an die Be­rech­tig­ten zu­rück­ge­ge­ben wer­den konn­te. Par­tei­ver­mö­gen der NS­D­AP ist hier­bei nicht ein­ge­schlos­sen.

En­de 1965 be­rief der Bun­des­schatz­mi­nis­ter ei­ne Sach­ver­stän­di­gen-Kom­mis­si­on ein, die über die Mu­se­ums­wür­dig­keit der Kunst­wer­ke ent­schied. Auf­grund ih­rer Emp­feh­lung ge­lang­ten mehr als 580 Ge­mäl­de und 1200 Gra­phi­ken als kos­ten­lo­se Dau­er­leih­ga­ben an 102 deut­sche Mu­se­en, die sich zur sach­ge­mä­ßen Pfle­ge der Kunst­wer­ke ver­pflich­tet ha­ben. Ein wei­te­rer Teil die­ses Kunst­be­stan­des ist an Mi­nis­te­ri­en und de­ren nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den ver­lie­hen. Die zeit­wei­se nicht aus­ge­lie­he­nen Ob­jek­te wer­den im Kunst­de­pot des Bun­des­ver­wal­tungs­amts auf­be­wahrt. Für sie wer­den ak­tiv neue Leih­neh­mer ge­sucht, um die Wer­ke öf­fent­lich zei­gen zu kön­nen.

Bei Kunst­wer­ken, die im öf­fent­li­chen Raum aus­ge­stellt wer­den, wird ein Hin­weis auf de­ren Her­kunft an­ge­bracht und auf die Pro­ve­ni­enz­do­ku­men­ta­ti­on ver­wie­sen. Al­le Kunst­wer­ke der TVK wur­den in­zwi­schen ei­ner Pro­ve­ni­enz­re­cher­che un­ter­zo­gen. Die Er­geb­nis­se kön­nen hier auf­ge­ru­fen wer­den.