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Eindrucksvolles Landesfinale der Lesefüchse

Datum 25.04.2017

Sechs Schülerinnen aus Litauen fanden sich am 6. April 2017 im Jesuitengymnasium in Vilnius ein, um über die literarisch ausgezeichneten Romane "Echt" von Christoph Scheuring, "Brennendes Wasser" von Lukas Erler, "Like me. Jeder Klick zählt" von Thomas Feibel sowie "Zeit der großen Worte" von Herbert Günther zu diskutieren.

Mit der Teilnahme an dem von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) initiierten Wettbewerb "Lesefüchse international" erhalten Schülerinnen und Schüler aus zehn verschiedenen Ländern die Möglichkeit, durch Freude am Lesen deutscher Literatur die Kompetenzen im Bereich der interkulturellen Kommunikation auszubauen. Neben der Möglichkeit, sich auf einer kreativen Ebene mit modernen Jugendromanen auseinanderzusetzen, ist gleichermaßen die selbstständige und zielorientierte Arbeit der Schülerinnen und Schüler im Vorfeld vordergründig. So ist es für manche Deutschlernende oftmals eine Herausforderung, sich freizeitlich im Rahmen der Wettbewerbsvorbereitung mit den Eigenarten der deutschen Sprache zu beschäftigen und diese zu entschlüsseln.

Langer Weg zum Finale

Die sechs Finalistinnen Eindrucksvolles Landesfinale der LesefüchseQuelle: Lucia Madro

Lange Zeit im Voraus begeben sich die Teilnehmenden aus Schulen, an denen das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz angeboten wird, auf die literarische Reise: zunächst wählen die ZfA-Fachberaterinnen und Fachberater vier aktuelle Jugendromane für den Wettbewerb aus. Im Anschluss daran beginnen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht, in Arbeitsgemeinschaften oder mit dem vorbereitenden Fachlehrer die Bücher intensiv zu besprechen, Fragen zu stellen und über die behandelten Themen tiefergehend zu diskutieren.

In einem Schulfinale werden die besten Lesefüchse ausgewählt, die im nationalen Finale gegen die übrigen Siegerinnen und Sieger anderer Schulen antreten. Das diesjährige Landesfinale Litauens fand im Jesuitengymnasium in Vilnius statt und lud neben den Teilnehmenden ebenso Lehrkräfte, interessierte Schülerinnen und Schüler sowie weitere Zuschauer in die Aula ein, um am Spektakel teilzuhaben.

Landesfinale im Jesuitengymnasium in Vilnius

Rita Tikniūtė (l.) und Eglė Sviderskytė (r.) Eindrucksvolles Landesfinale der LesefüchseQuelle: Michael Brehm

Michael Brehm, Fachberater/Koordinator der ZfA, leitete die Veranstaltung mit begrüßenden Worten ein und stellte die Juroren des Wettbewerbs vor. Die Jury, bestehend aus Hajo Orth (Rektor der Walter-Kolb-Schule, Frankfurt am Main), Milena Dech (Referentin für Kultur und Presse der Deutschen Botschaft Vilnius) und Detlef Gericke (Leiter des Goethe-Instituts Vilnius), sprach sich vor Beginn des Wettbewerbs bereits sehr positiv aus und blickte voller Vorfreude auf das Finale. Denn immerhin handle es sich bei dem Ganzen um eine Art "Fest des Lesens", welches die Schülerinnen und Schüler dazu motivieren solle, gerne zu lesen und sich mit Literatur auseinanderzusetzen, so der langjährige Moderator Alexander Wölffling (Programmlehrkraft am Hermann-Sudermann-Gymnasium Klaipėda).

Nach der Vorstellung der Finalistinnen startete die erste Runde des Landesfinales: die Vorstellung der einzelnen Bücher. Hierbei wurde schnell deutlich, dass es sich nicht etwa um langweilige Jugendromane handelte, sondern um interessante Werke mit hohem Aktualitätsbezug. So stand bei "Brennendes Wasser" (vorgestellt von Rita Tikniūtė, Jesuitengymnasium Kaunas) das Thema Fracking und dessen Konsequenzen für Mensch und Umwelt im Fokus, während "Like me. Jeder Klick zählt" (vorgestellt von Anelė Paskočimaitė, Užupis-Gymnasium Vilnius und Eglė Sviderskytė, Žirmūnai-Gymnasium Vilnius) Kritik an der Benutzung sozialer Netzwerke äußerte und darstellte, was es bedeutet, sein Leben öffentlich zu leben und seine Freizeit dem Internet zu verschreiben.

Obwohl die Romane "Echt" (vorgestellt von Emilija Jovaišaitė, Jesuitengymnasium Vilnius) und "Zeit der großen Worte" (vorgestellt von Dalia Karpauskaitė, Jesuitengymnasium Kaunas und Vakarė Bakaitė, Hermann-Sudermann-Gymnasium Klaipėda) einerseits von Abschiedsszenen auf Bahnhöfen, andererseits die Geschichte einer Familie zur Zeit des Ersten Weltkriegs schildern, handelt es sich auch bei diesen Werken um zeitlose Lektüre.

Eindrucksvolle Diskussion

Dalia Karpauskaitė, Jesuitengymnasium Kaunas Eindrucksvolles Landesfinale der LesefüchseQuelle: Michael Brehm

Die Vorstellung der Bücher mündete schließlich in die freie Diskussion, in der Fragen des Moderators zum Gesprächsanstoß gegeben wurden. So diskutierten die Finalistinnen beispielsweise darüber, wer die Helden in "Zeit der großen Worte" seien, ob man aus der Geschichte bezüglich des Ersten und Zweiten Weltkriegs gelernt hätte, welche Vor- und Nachteile Fracking beinhaltet oder welche Präventionen man gegen Drogenkonsum oder Cybermobbing ergreifen könne.

Insgesamt war festzustellen, dass es sich bei dem Landesfinale in Litauen um einen verheißungsvollen und eindrucksvollen Wettbewerb handelte. Erfreulicherweise kam jede Finalistin gleichermaßen zu Wort, konnte die eigene Meinung hervorbringen, andere Argumente infrage stellen und neue Denkanstöße liefern. Der Wettbewerb war geprägt von Fairness und einem ausdrucksstarken Wortwechsel aller Teilnehmenden. Neben ihren rhetorischen Fähigkeiten konnten die Mädchen ebenso ihre literaturkritischen Fertigkeiten in Bezug auf die intensive Auseinandersetzung mit der Sprache, des Stils und der Struktur der Romane erfolgreich unter Beweis stellen.

Nachdem der "aktive" Teil der Finalistinnen beendet war, kam es zu dem wohl aufregendsten Teil des Nachmittags: der Siegerehrung. Wie in jedem Jahr, hatten sowohl die Finalistinnen als auch die Jury ein gleiches Stimmrecht bei der Wahl des Lesefuchses. Das Lesefuchs-Buch wurde alleine von den Teilnehmerinnen ausgewählt.

Siegerehrung

v. l. n. r.: Emilija Jovaišaitė, Detlef Gericke, Alexander Wölffling, Dalia Karpauskaitė, Vakarė Bakaitė, Michael Brehm, Rita Tikniūtė, Eglė Sviderskytė, Anelė Paskočimaitė, Hajo Orth, Milena Dech Eindrucksvolles Landesfinale der LesefüchseQuelle: Lucia Madro

Hajo Orth sprach vermutlich für alle, als er sagte, es sei ihm durchaus schwer gefallen, einen Sieger aus diesen starken Finalistinnen auszuwählen. Doch eine Gewinnerin gab es schließlich: In diesem Jahr hat Dalia Karpauskaitė vom Jesuitengymnasium Kaunas besonders überzeugt, zweite ist Anelė Paskočimaitė vom Užupis-Gymnasium Vilnius geworden. Detlef Gerickes Aussage zu Beginn der Veranstaltung schien sich bewahrheitet zu haben: "Die Leseratte liest nur viel, aber der Lesefuchs liest auch klug". Dies kann nun vor allem die Siegerin Dalia von sich behaupten, die sich darauf freuen darf, für Litauen im internationalen Finale "Lesefüchse international" im Herbst 2018 in Berlin anzutreten, wo sie auf die Gewinner der übrigen neun teilnehmenden Länder treffen wird.

Zum "Lesefuchsbuch des Jahres" haben die Finalistinnen "Echt" von Christoph Scheuring gewählt, welches somit in die Lektüreliste des nächsten Wettbewerbs aufgenommen wird.


Lucia Madro, kulturweit-Freiwillige