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Eine große Familie

Datum 29.09.2017

Die Zusammenarbeit zwischen den Ökumenischen Jugenddiensten (ÖJD) und dem Eötvös-Gymnasium feiert fünfjähriges Jubiläum. Schülerinnen und Schüler wirkten in Workcamps in Berlin bei Friedhofsarbeiten mit.

Bei der Arbeit Eine große FamilieQuelle: Nikolett Nátrán / ÖJD

Der kleine evangelische Friedhof im bürgerlichen Berliner Stadtviertel Charlottenburg versteckt sich im Windschatten mehrstöckiger Häuser. Er ist für zwei Wochen Wirkungsstätte von 14 Jugendlichen aus ganz Europa, die in dieser Zeit Renovierungs- und Friedhofsarbeiten durchführen.

"Das Erschaffene soll von Dauer sein", sagt Thomas Höhne, ÖJD-Projektpartner und Friedhofsverwalter in Charlottenburg, der an diesem Tag durch einen der größten Friedhöfe des Berliner Stadtteils führt. Er präsentiert in den letzten Jahren renovierte Grabgitter und Bänke, auf denen sich die Teilnehmenden verewigt haben. "Sie sollten es dann auch ihren Enkeln zeigen können", ergänzt Höhne. Dabei wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workcamps in erster Linie bewusst nicht in alltäglichen Friedhofsarbeitsprozessen eingesetzt, denn sie sollten etwas für die Allgemeinheit schaffen, erläutert Karolin Minkner, Projektkoordinatorin der ÖJD des kirchlichen Amtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Dieser Tätigkeitsschwerpunkt der Campteilnehmenden sei auch deswegen wichtig, da die Aufbaulagerprojekte - wie sie zu DDR-Zeiten noch genannt wurden - aus öffentlichen Geldern realisiert würden.

Bei Wind und Wetter eine Gemeinschaft Eine große FamilieQuelle: Nikolett Nátrán / ÖJD

Das Programm feierte 2016 das 60. Jubiläum seines Bestehens. Seit mittlerweile fünf Jahren läuft die Zusammenarbeit mit dem József-Eötvös-Gymnasium Totis/Tata beziehungsweise mit den Schülerinnen und Schülern der Bildungseinrichtung. In dieser Zeit haben über 30 Jugendliche an den jeweils zweiwöchigen Workcamps der ÖJD in ganz Deutschland teilgenommen. Unter ihnen auch ehemalige Eötvösianer, wie die Studierenden Nikolett Nátrán, Peter Hugl und Bence Zámbó. Sie fingen als einfache Campteilnehmer an. "Wir sind wie eine große Familie", sagt Nikolett Nátrán heute selbstbewusst. "Charlottenburg war dieses Jahr Schauplatz der Begegnung von unglaublich interessanten Charakteren, Kulturen und Geschichten. Wir haben viel gelacht, viele Ausflüge gemacht, was uns allen Spaß gemacht hat, während dessen aber auch - fast unbemerkt - tiefe Freundschaften geschlossen wurden. Es war ein schönes Gefühl, mit motivierten, neugierigen und für alles offenen Menschen zusammenzuarbeiten, und ein wenig ihr Denken zu formen sowie ihre Beziehung zur Arbeit, zu unterschiedlichen Kulturen und zueinander zu beeinflussen", erzählt die Studentin aus Budapest. Sie selbst betreute als Teamer dieses Jahr die zweite Gruppe des Workcamps in Charlottenburg, wo sich unter den vierzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland, Polen, Spanien, Tschechien und Weißrussland auch zwei Tataer fanden.

Frühsport tut gut Eine große FamilieQuelle: Nikolett Nátrán / ÖJD

Gergely Szép von der Deutsch-Spezialklasse bedauert ein wenig, dass man einen gemeinsamen Nenner mit den anderen eher auf Englisch finden konnte, zeigt sich aber dennoch zufrieden: "An den ersten beiden Abenden haben sich alle zurückgehalten. Aber dank des Einfallsreichtums und den Erfahrungen der Teamer wurde die Gruppe schnell zusammengeschmiedet. Die Arbeit, die wir verrichten mussten, hat uns Spaß gemacht. Sie war interessant und gleichermaßen spannend. Wir hatten keine einzige Minute, in der wir uns langweilten. Wir halten innerhalb der Gruppe bis zum heutigen Tage den Kontakt aufrecht und wollen uns im nächsten Sommer treffen."

Auch Bence Veidinger und Aliz Szekeres, die das Berliner Workcamp im ersten Turnus absolviert haben, berichten von positiven Erfahrungen. "Unsere Unterkunft war in einer evangelischen Kirchengemeinde in Berlin-Charlottenburg. Wir waren 17 Teilnehmer aus acht Ländern: Spanien, Polen, Deutschland, Ungarn, Weißrussland, Lettland, Tschechische Republik und Serbien. Leider wurde im Camp überwiegend Englisch gesprochen. Wir haben auf einem Friedhof gearbeitet. Dort renovierten wir eine alte Mauer und die alte Ruhestätte. Wir haben viele internationale Freundschaften geschlossen. Die Stimmung war gut, alle Teilnehmer waren begeistert. Wir haben viele Ausflüge in die Stadt und auch einen nach Potsdam gemacht. Die Gemeinde hat uns Fahrräder geliehen, mit denen wir vielmals in die Innenstadt gefahren sind. Jeden Tag mussten zwei Teilnehmer selbst für die anderen zu Mittag kochen. Wir hatten auch Länderabende, als wir über andere Länder und Kulturen mehr erfahren konnten. Im Ganzen war das eine gute Erfahrung mit der Selbstständigkeit und eine perfekte Gelegenheit um unsere Sozial- und Kommunikationskompetenzen sowie Sprachkenntnisse zu erweitern", gewährt der ungarndeutsche Eötvös-Schüler Bence Veidinger aus Neudorf / Nyergesújfalu Einblick in die Geschehnisse der zwei Wochen.

Erkundungen in Berlin Eine große FamilieQuelle: Nikolett Nátrán / ÖJD

Aliz Szekeres ergänzt: "In diesen zwei Wochen haben wir sehr viel Neues erlebt und erfahren. Wir haben Berlin, die deutsche Kultur und einander auch sehr gut kennen gelernt. Obwohl wir jeden Tag gearbeitet haben, hatten wir sehr viel Freizeit. Von Berlin haben wir auch sehr viel gesehen. Unsere Mannschaft war auch echt gut, ich hätte nicht erwartet, dass ich solche Freundschaften knüpfen werde. Wegen der Vielfalt beim Workcamp haben wir nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Länder besser kennen gelernt. Das Workcamp war ein fantastisches Erlebnis mit besonderen Menschen, die echte Freunde von mir geworden sind. Ich bin überglücklich, dass ich an diesem Programm teilnehmen konnte, und ich würde gerne nächstes Jahr wieder nach Deutschland zu einem Workcamp fahren".

Regina Balogh nahm am Workcamp in Ruhland südlich von Berlin teil. Sie erinnert sich auch gerne an die schöne Zeit voller Erfahrungen zurück: "Es waren zwei unvergessliche Wochen, denn dort bin ich eigentlich richtig erwachsen geworden. Ich konnte erfahren, wofür ich eigentlich die Schulbank drücke. Wir mussten körperliche Arbeit leisten: Holz hacken, Ziegelsteine reinigen, Bodenbelag ausreißen, also bei Renovierungsarbeiten mithelfen. Ich habe mich wohl gefühlt und viele neue Freundschaften geschlossen."

"Denn so wie die moderne Friedhofsverwaltung bedeute die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen aus verschiedenen Ländern, dass neben all den "Aufbau"-Zielen das Menschliche nicht fehlen dürfe", betont Thomas Höhne vom Camp-Partner Evangelische Luisengemeinde. Die Rückmeldungen zeigen, dass dieses Ziel heuer wieder erreicht wurde.


Richard Guth, Fachschaftsberater