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DFU-Fortbildung mit Ortskräften

Datum 12.03.2009

Die Fortbildungsarbeit mit einheimischen Kolleginnen muss eine Reihe von Besonderheiten berücksichtigen, die sich entscheidend auf die Arbeitsweise auswirken.

  • Lehrpläne, die für Muttersprachenunterricht aufgestellt wurden,
  • große Stofffülle der nationalen Lehrpläne,
  • Ein-Fach-Ausbildung bei manchmal unzureichenden Deutschkenntnissen,
  • Mangel an geeigneten deutschsprachigen Unterrichtsmaterialien,
  • mangelnde Rücksichtnahme der Aufsichtsinstanzen auf Sonderbedingungen des fremdsprachlichen Fachunterrichts,
  • Mehrarbeit gegenüber anderen Kolleginnen ohne Kompensation durch Bezahlung oder reduzierte Stundenzahl,
  • erhöhte Arbeitsbelastung durch Zweitjobs, die in vielen Ländern überlebensnotwendig sind aufgrund der geringen staatlichen Gehälter,
  • oft geringe Bereitschaft zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen wegen der damit verbundenen Kosten und Verdienstausfälle,
  • Widerstände der Schulleitung gegen Freistellung von Kollegen wegen des damit verbundenen Unterrichtsausfalls.
  • Oft sind DFU-Lehrer an ihrer jeweiligen Schule eine kleine Minderheit ohne 'Lobby' bei Kollegen und Schulleitung.

Zur Verminderung möglichst vieler dieser Hindernisse praktizieren wir dezentrale Fortbildungen mit heterogenem Teilnehmerkreis.

Fortbildung

Der Fortbilder begibt sich für einen Tag an die Fortbildungsschule.

Vorteil: Reisekostenminimierung, keine Zeitverluste durch Anreise der Teilnehmer, Reduzierung der Unterrichtsausfälle und des Verdienstausfalls.
Schulleitungen sind eher bereit zur Freistellung der Kollegen für nur einige Stunden.

Die Lehrer aller in der Schule vertretenen DFU-Fächer werden zur Fortbildung eingeladen, nicht nur die Vertreter einer einzelnen Fachrichtung.

Vorteil: Raum zum Austausch über schulbezogene Arbeitsprobleme und Strategien zu deren Bewältigung, wobei der von außen kommende Fortbildungsleiter den neutralen Rahmen für einen derartigen Austausch bietet.

Die Fortbildung beginnt mit einer Einführung in die Möglichkeiten des DFU-Handbuches. Dazu werden GRUNDSITUATIONEN und WERKZEUGE ausgelegt und von den Teilnehmern begutachtet. Im Verlauf dieser Phase wählt jeder Teilnehmer zwei für ihn besonders attraktive WERKZEUGE aus und erläutert in einer anschließenden Gesprächsrunde, wie er sich den Einsatz dieser Werkzeuge in seinem Unterricht vorstellt.

Vorteil: Die Vertreter verschiedener Fächer entdecken die Möglichkeiten des Handbuchs im gegenseitigen Austausch und erweitern ihren methodischen Blickwinkel über die Grenzen des eigenen Faches hinaus.

Den zweiten Teil der Fortbildung bildet die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Unterrichtsstunde. Es handelt sich dabei um eine ohnehin an diesem Tag in einer Klasse eines der teilnehmenden Fachlehrer zu haltende Stunde. Der Fachlehrer skizziert kurz den sachlichen Inhalt der Stunde. Die Fortbildungsteilnehmer beraten, welche spezifischen DFU-Methoden zur Vermittlung dieses Inhalts eingesetzt werden können und legen einen Stundenablauf fest. Bei entsprechend großer Teilnehmerzahl können auch Alternativentwürfe erarbeitet werden. Die Stunde wird dann von einem oder zwei Teilnehmern gehalten, jedoch nicht vom Fachlehrer der verfügbaren Klasse. Eine gemeinsame Nachbereitung der Stunde schließt unmittelbar an.

Vorteil: Die Fachlehrer erleben, dass fächerübergreifende Zusammenarbeit sinnvoll und hilfreich sein kann. Der zeitweilige Übergang in ein anderes Fachgebiet richtet Interesse und Anstrengungen stärker auf die spezifischen methodischen Probleme des DFU. Die Durchführung der vorbereiteten Stunde durch einen oder zwei fachfremde Lehrer bindet diese stärker an das erarbeitete Konzept und erleichtert damit auch die anschließende Evaluation. Dagegen ist bei Durchführung des Unterrichts durch den Fachlehrer der Klasse die Gefahr eines 'Rückfalls' in eingefahrene Lehrmethoden und gewohntes Lehrerverhalten sehr groß.

Erfahrungen

Die Mehrzahl des DFU-Kollegiums lässt sich auf die Veranstaltung ein, nur eine geringe Minderheit entzieht sich durch plötzliche Erkrankung oder dringende schulische Aufgaben.

Schulleitungen empfinden diese Art von Fortbildungsveranstaltungen im eigenen Hause meist als Bereicherung und nicht so stark als Störung.

Das DFU-Handbuch gerät ins Bewusstsein der potentiellen Benutzer hinsichtlich Standort und realer Einsatzmöglichkeiten. Die Kollegen stellen fest, dass der Einsatz geeigneter Methoden nicht unbedingt die befürchtete Verzögerung mit sich bringt sondern oft sogar eine Rationalisierung der Stofffülle ermöglicht und damit eine wirklich Hilfe darstellt.

Der Gedanke einer klassenfremd und möglicherweise auch fachfremd zu gestaltenden Unterrichtsstunde löst zunächst eher Verwunderung aus. Nach relativ kurzem Zögern haben sich aber bisher alle Teilnehmer dieser Aufgabe gestellt und sie mit interessierter Neugier in Angriff genommen. Dabei wurde auch der Blick geöffnet für zukünftige Möglichkeiten fächerübergreifender Zusammenarbeit.

Die im vorgeschlagenen Verfahren enthaltenen Distanzierungs- und Verfremdungseffekte (fremde Klasse, fachfremder Unterricht, gemeinsame Erarbeitung, eventuell Durchführung durch zwei Lehrer) sind ein wichtiges Hilfsmittel zur Überwindung von Ängsten vor der Anwesenheit von Kollegen im eigenen Unterricht und der anschließenden Begutachtung.

Die an einer Schule unterrichtenden DFU-Lehrer entwickeln häufig durch diese gemeinsame Arbeit während der Fortbildung eine gewisse 'DFU-Solidarität' untereinander und für ihre Position gegenüber Schulleitung und Schulaufsicht.

 

von R. Konzen, Sofia/Bulgarien

E-Mail: konzen@techno-link.com