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Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

Staats­an­ge­hö­rig­keits­recht­li­cher Hin­ter­grund

Nach der so­ge­nann­ten "Machter­grei­fung" Hit­lers am 30. Ja­nu­ar 1933 wur­de schon bald das "Ge­setz über den Wi­der­ruf von Ein­bür­ge­run­gen und die Ab­er­ken­nung der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit" vom 14. Ju­li 1933 er­las­sen, um die "ras­sen­po­li­ti­schen" Zie­le durch­zu­set­zen. Ziel der Aus­bür­ge­rungs­maß­nah­men die­ses Ge­set­zes wa­ren die in der Wei­ma­rer Re­pu­blik ein­ge­bür­ger­ten Ju­den und die im Aus­land le­ben­den po­li­ti­schen Flücht­lin­ge. Die aus­zugs­wei­se dar­ge­stell­ten Ein­zel­schick­sa­le zei­gen ein­dring­lich den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ras­sen­wahn und die staat­li­che Will­kür. Die amt­li­chen Ent­schei­dun­gen er­gin­gen un­ter dem prä­gen­den Ein­fluss der NS­D­AP nach de­ren Vor­ga­ben. Die Aus­stel­lung soll den men­schen­ver­ach­ten­den und rück­sichts­lo­sen Miss­brauch des Staats­an­ge­hö­rig­keits­rechts durch die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­ha­ber auf­zei­gen.

Aus­zug aus dem Ge­setz über den Wi­der­ruf von Ein­bür­ge­run­gen und die Ab­er­ken­nung der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit vom 14.07.1933 (RG­Bl I, S. 480) :

§ 1: „Ein­bür­ge­run­gen, die in der Zeit zwi­schen dem 9. No­vem­ber 1918 und dem 30. Ja­nu­ar 1933 vor­ge­nom­men wor­den sind, kön­nen wi­der­ru­fen wer­den, falls die Ein­bür­ge­rung nicht als er­wünscht an­zu­se­hen ist.“

Aus­zug aus der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Ge­set­zes über den Wi­der­ruf von Ein­bür­ge­run­gen und die Ab­er­ken­nung der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit vom 26.07.1933 (RG­Bl I, S. 538) :

„Ob ei­ne Ein­bür­ge­rung als nicht er­wünscht an­zu­se­hen ist, be­ur­teilt sich nach völ­kisch-na­tio­na­len Grund­sät­zen. Im Vor­der­grun­de ste­hen die ras­si­schen, staats­bür­ger­li­chen und kul­tu­rel­len Ge­sichts­punk­te für ei­ne den Be­lan­gen von Reich und Volk zu­träg­li­che Ver­meh­rung der deut­schen Be­völ­ke­rung durch Ein­bür­ge­rung. […] Hier­nach kom­men für den Wi­der­ruf der Ein­bür­ge­rung ins­be­son­de­re in Be­tracht: a) Ost­ju­den […]“

Das Ge­setz ziel­te zu­sam­men mit dem zeit­gleich ge­schaf­fe­nen Ge­setz über die Ein­zie­hung volks- und staats­feind­li­chen Ver­mö­gens auf die Aus­bür­ge­rung der wäh­rend der Wei­ma­rer Re­pu­blik ein­ge­bür­ger­ten Ju­den und po­li­ti­schen Flücht­lin­ge so­wie auf die Be­schlag­nah­mung ih­res Ver­mö­gens ab.

Die "Nürn­ber­ger Ge­set­ze"

Das Ge­setz von 1933 er­schien den ra­di­ka­len Kräf­ten in der NS-Füh­rung nicht aus­rei­chend. Das "Reichs­bür­ger­ge­setz" und das "Ge­setz zum Schutz des deut­schen Blu­tes und der deut­schen Eh­re" vom 15. Sep­tem­ber 1935 - die sog. "Nürn­ber­ger Ge­set­ze" - wa­ren schließ­lich wei­te­re In­stru­men­te zur Durch­set­zung der "Ras­se­n­ideo­lo­gie". In die­sem Ge­setz kam fol­gen­der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ge­dan­ken­gang zum Aus­druck:

"Staats­bür­ger kann nur sein, wer Volks­ge­nos­se ist. Volks­ge­nos­se kann nur sein, wer deut­schen Blu­tes ist, oh­ne Rück­sicht auf Kon­fes­si­on. Kein Ju­de kann da­her Volks­ge­nos­se sein."
(Punkt 4 des NS­D­AP-Pro­gramms vom 24. Fe­bru­ar 1920)

Mit dem Reichs­bür­ger­ge­setz und den fol­gen­den 13 Ver­ord­nun­gen wur­de die Staats­an­ge­hö­rig­keit auf ei­ne ras­sis­ti­sche, "völ­ki­sche" Grund­la­ge ge­stellt. Es galt das Prin­zip des "gleich­ar­ti­gen Blu­tes". Au­ßer­dem spiel­te die "geis­ti­ge We­sens­art" ei­ne Rol­le. So­fern die "geis­ti­ge We­sens­art" ei­nes Men­schen nicht in das Bild pass­te, er­folg­te - wie die Aus­stel­lung be­legt - ei­ne Aus­bür­ge­rung oder die Ver­hin­de­rung ei­ner Ein­bür­ge­rung.

Letzt­end­lich wur­den mit der Elf­ten Ver­ord­nung zum Reichs­bür­ger­ge­setz vom 25. No­vem­ber 1941 al­le deut­schen "Voll­ju­den", die ins Aus­land emi­griert wa­ren, staa­ten­los. Das Ver­mö­gen der aus dem deut­schen Staats­ver­band Aus­ge­bür­ger­ten wur­de be­schlag­nahmt und fiel mit der Aus­bür­ge­rung an den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staat.